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Stone Town Kolonialismus |  Bild (Ausschnitt): © Son of Groucho [CC BY 2.0]  - Flickr

Kolonialismus

Stone Town Kolonialismus | Bild (Ausschnitt): © Son of Groucho [CC BY 2.0] - Flickr

Afrika ist bis heute von der Kolonialzeit geprägt, die einen kompletten Wandel der politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Ordnung zur Folge hatte.

 

„The Scramble for Africa“

© simpleinsomnia [CC BY 2.0] – Flickr

Der europäische Kolonialismus begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und war von ökonomischen, politischen wie auch sozialen Gesichtspunkten bestimmt. Infolge der industriellen Revolution mussten nach dem kapitalistischen Prinzip neue Rohstoffquellen für die Produktion, neue Investitionsobjekte und neue Märkte erschlossen werden. 1) The New York Public Library: The Colonization of Africa; Stand vom 15.02.17 Zudem waren die Konkurrenzbeziehungen zwischen den europäischen Staaten und die Faszination der Herrschaft über neue Gebiete entscheidend. Der daraus entstandene Wettstreit der europäischen Mächte um die Kolonialisierung Afrikas wird „The Scramble for Africa“ genannt. Ohne Berücksichtigung der afrikanischen Völker erhoben u.a. Briten, Franzosen und Deutsche Besitzansprüche auf die ihnen unbekannten Gebiete. 2) AfricaBusinessPages: How the Europeans Divided Africa; Video vom 09.04.14

 

Willkürliche Grenzziehung steuert Afrika in blutige Konflikte

In Folge der rücksichtslosen Inbesitznahme afrikanischer Gebiete durch europäische Kolonialherren wurden ohne Beachtung von Stammesgebieten Grenzen gezogen. Die Europäer wandten das Prinzip des Territorialstaats an, also einem vom Territorium bestimmten Staat. Dies stand im Gegensatz zu den damals in Afrika existierenden Königreichen. Nicht das „Staatsgebiet“, vielmehr die zusammengehörige Menschengruppe und ihre Organisation waren entscheidend. So wanderten Königreiche des Öfteren, blieben aber als Personenverbundstaat eine Einheit. 3) Heinrich Böll Stiftung: Grenzen in Afrika als Last und Herausforderung; Artikel vom 03.05.10

 

Britische Kolonialzeit und ihre tödlichen Folgen

Soldat im Sudan

Soldat im Sudan © Mattphoto Dreamstime.com

Auch im Sudan hinterließ der Kolonialismus tiefe Wunden. Die Briten, die den Sudan als ihr Gebiet beanspruchten, spalteten den arabisch dominierten Norden und den Süden. Wirtschaftlich gefördert wurde nur der Norden und mit ihrer „Politik für den Süden“ spielten die britischen Kolonialisten die Stämme gegeneinander aus. Auch wurde die wirtschaftliche Entwicklung im Südsudan blockiert, da dies nicht dem afrikanischen Lebensstil entspräche, so die Briten. Diese Politik der Spaltung wurde 1946 ins Gegenteil umgekehrt. Laut den Kolonialherren wären der Norden und Süden untrennbar miteinander verbunden, somit könne es nur ein geeintes Sudan geben. Die auf die Unabhängigkeit des Landes folgenden Konflikte sind direkt auf die Spaltungen durch die britische Kolonialmacht zurückzuführen. 4) AG Friedensforschung: Sudan/Südsudan: Die tödlichen Folgen des Kolonialismus; Stand vom 16.02.17 Zwei Bürgerkriege zwischen dem Norden und dem Süden, in denen von 1955 bis 1972 bzw. von 1983 bis 2005 gekämpft wurde, forderten zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Opfer, es wird von vier Millionen Vertriebenen ausgegangen. Nach der Unabhängigkeit des Südsudan im Jahr 2011 brach auch dort ein Bürgerkrieg aus. Unterstützer des ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar kämpfen gegen die Regierungstruppen, die dem amtierenden Präsidenten Salva Kiir unterstellt sind. Gleichzeitig ist der Krieg ein Konflikt zwischen zwei ethnischen Gruppen, den Dinka, zu denen Kiir gehört, und den Nuern, zu denen Machar gehört. 5) Welt: Wer kämpft im Südsudan eigentlich gegen wen?; Artikel vom 19.01.14 Der Konflikt stellt eine Fortführung der Bürgerkriege im ehemals vereinten Sudan dar. Motiviert wurde er von durch die Unabhängigkeit des Südens offenen Machtfragen.

Völkermord in Ruanda als Resultat ethnisch-rassistischer Spaltung durch die Kolonialmächte

Nicht nur auf der Landkarte zogen die Kolonialherren Grenzen, die zuvor nicht existierten. In den Auswirkungen nicht weniger perfide und verheerend, wenn nicht gar schlimmer, ist die Spaltung, die in den Köpfen der Menschen betrieben wurde. Bestimmte Gruppen wurden als überlegen dargestellt, während andere benachteiligt wurden. Auf diese Weise wurden Spannungen generiert, die oft in Gewalt ausarteten.

Gedenkstätte für den Genozid an den Tutsi in Ruanda © DFID – UK Department for International Development [CC BY-NC-ND 2.0] – Flickr

So konstruierte die belgische und später die deutsche Kolonialmacht in Ruanda unter den zwei Volksgruppen der Hutus und Tutsi eine ethnisch-rassistisch begründete Hierarchie. Nach dieser stellten die Tutsi eine überlegene „Rasse“ dar. In der in vorkolonialer Zeit aristokratischen Gesellschaft waren Hutus Ackerbauern und Tutsi Hirten gewesen. Ein Klassenübergang zwischen den beiden war jedoch durch die Anhäufung von Vieh möglich. 6) LIPortal: Ruanda; Stand vom 26.01.17 Die durch die Kolonialmächte installierten Ethnien heizten Spannungen zwischen Hutus und Tutsi an, die 1994 im Genozid an den Tutsi gipfelten, bei dem bis zu einer Millionen Tutsi und gemäßigte Hutus getötet wurden. 7) bpb: Ruanda; Artikel vom 22.01.16

 

Neokolonialismus: Fortgeführte Abhängigkeit treibt ehemalige Kolonien in die Armut

„In den afrikanischen Ländern herrscht eine große Abhängigkeit von einem externen Akteur“ 8) Cord Jakobeit, Professor für Politikwissenschaften an der Universität Hamburg, in: Tagesschau: Zwischen Abhängigkeit und Sicherheit; Artikel vom 24.09.11

Auch nach Ende der Kolonialzeit versuchten die Kolonialmächte ihre Machtstellung in Afrika zu behalten. Dazu schlossen sie Wirtschaftsbündnisse, installierten Währungsunionen oder hielten die Abhängigkeit durch Steuern aufrecht. Diese Beziehungen hatten und haben maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung zahlreichen Länder und sind ein entscheidender Faktor für deren hohe Staatsverschuldung.

Operation Barkhane

© US Army Africa [CC BY 2.0] – Flickr

Die Macht westlicher Staaten über ihre ehemaligen Kolonien ist heute sehr deutlich an der sogenannten CFA-Franc-Zone zu sehen. Diese Wirtschaftsgemeinschaft, bestehend aus west- und zentralafrikanischen Ländern, ist durch die Bindung des CFA-Franc an den Euro immer noch von Frankreich abhängig. Zwar kann argumentiert werden, dass durch die mögliche Umtauschbarkeit der zwei Währungen wirtschaftliche Stabilität in den afrikanischen Ländern gewährleistet wird. Dennoch haben sie mit hohen Zinsen und Schulden sowie mit einem durch Handelsbarrieren eingeschränktem Wirtschaftswachstum zu kämpfen. Gleichzeitig erschließt sich Frankreich somit einen immensen Absatzmarkt, in dem es politisch wie wirtschaftlich großen Einfluss hat. 9) Tagesschau: Zwischen Abhängigkeit und Sicherheit; Artikel vom 24.09.11 Die negativen Folgen für die afrikanischen Staaten sind heutzutage offensichtlich: Zehn von 14 ehemaligen, französischen Kolonien gehören zu den ärmsten Ländern der Welt. 10) Deutsche Welle: Debatte um die Währung CFA-Franc; Artikel vom 29.04.13

A Brief History Of European Colonization in Africa

How the Europeans Divided Africa

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

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