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Massive Verschmutzung in irakischer Stadt Basra macht Bewohner krank

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 Der Fluss Shatt Al Arab ist durch Klimawandel und Verschmutzung bedroht  |  Bild: © David Stanley [CC BY 2.0]  - flickr

Der Fluss Shatt Al Arab ist durch Klimawandel und Verschmutzung bedroht | Bild: © David Stanley [CC BY 2.0] - flickr

Massive Verschmutzung in irakischer Stadt Basra macht Bewohner krank

Einst war die irakische Stadt Basra als „Venedig des Nahen Ostens“ bekannt. Die Herrscher des osmanischen Reichs hatten zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert Kanäle in der Provinzhauptstadt errichtet. Basra mit seinen Wasserstraßen gehört zu den bekanntesten Städten im Irak. Heute sind diese Wasserstraßen mit einem Teppich aus Plastiktüten und anderem Müll bedeckt. 1) Spiegel: Umweltsünden im irakischen Basra: So sieht das „Venedig des Nahen Ostens“ heute aus; Artikel vom 02.02.2019

Neben dem Müll belasten Keime und Salz die Kanäle. Eigentlich befindet sich Basra 50 Kilometer vom Persischen Golf entfernt, aber das Wasser im Fluss ist fast so salzig wie im Meer. Das Kanalsystem der Stadt wird wesentlich vom Fluss Schatt al-Arab mit Wasser versorgt. Dieser wiederum entsteht beim Zusammenfluss von Euphrat und Trigris nördlich der Stadt. Durch den Bau zahlreicher Staudämme in der Türkei und Syrien entlang der beiden Flüsse kommt nun immer weniger Wasser in Basra an. Auch der Wasserverbrauch der Landwirtschaft in der Region ist für die Knappheit mitverantwortlich – der Klimawandel, die steigenden Temperaturen und Regenausfälle verschärfen das Problem. So dringt mittlerweile zunehmend Meerwasser in den Fluss in und um die Stadt ein. Als Trinkwasser und für die Agrikultur ist es somit nicht mehr zu gebrauchen.

Landwirte haben Schwierigkeiten die Felder zu bewässern und Erträge zu erzielen. So müssen viele Bauern aufgeben und in die Stadt auswandern. „Der Staat muss eine Lösung finden“, klagt der Bauer Kazem Sabhan, „aber die Behörden haben uns bisher keinerlei Unterstützung oder Hilfe zukommen lassen.“ Dank des Schatt al-Arab war die Region um Basra einst eine der landwirtschaftlich rentabelsten des Landes – mittlerweile sind die Böden weitestgehend unfruchtbar geworden. 2) Spiegel: Umweltsünden im irakischen Basra: So sieht das „Venedig des Nahen Ostens“ heute aus; Artikel vom 02.02.2019 3) Tageschau: Wassermangel im Südirak Die giftige Brühe des Schatt al-Arab; Artikel vom 02.12.2018 4) Irak: Wasserkrise in Basra: Jahrzehntelange Misswirtschaft, Verschmutzung, Korruption; Artikel vom 22.07.2019

Die Infrastruktur ist veraltet, so gelangen verschmutztes Wasser aus Basra und anderen Siedlungen sowie chemische Stoffe aus der Ölindustrie ungefiltert in den Fluss Schatt al-Arab. Weiterhin klagen die Bewohner über fehlendes Umweltbewusstsein innerhalb der Bevölkerung, denn Abfälle werden ohne Rücksicht in die Wasserkanäle geworfen. Die Landflucht und das daraus resultierende Bevölkerungswachstum in der Metropol-Region Basra tragen zu den bestehenden Problemen bei. Basra ist mittlerweile die zweitgrößte Stadt des Landes, auch während des Krieges suchten viele Iraker im Süden des Landes Zuflucht. Die Behörden haben Schwierigkeiten, die wachsende Bevölkerung mit genügend Trinkwasser zu versorgen. 5) Spiegel: Umweltsünden im irakischen Basra: So sieht das „Venedig des Nahen Ostens“ heute aus; Artikel vom 02.02.2019 6) taz: Junge Generation im Irak begehrt auf: Das Salz in den Wunden von Basra; Artikel vom 23. 6. 2019 7) Welt: „Im nächsten Sommer wird es eine weitaus größere Katastrophe geben“; Artikel vom 28.10.2018

Immer mehr Menschen erkranken als Folge des Konsums oder Gebrauchs von verschmutztem Wasser. Sie leiden an Durchfall, Magenschmerzen und Nierenproblemen. Der Arzt Balsam Majid sagt: „Wir haben es mit Vergiftungen, Infektionen und vielen Hautkrankheiten zu tun, weil dieses Wasser verwendet wird.“ Letztes Jahr kamen 118.000 Menschen wegen Keimen ins Krankenhaus. Jeder Fünfte in der Region Basra lebt unterhalb der Armutsgrenze und ist somit gezwungen, verunreinigtes Wasser als Trinkwasser zu verwenden. Nur Leute, die genug Geld haben, können sauberes Wasser – Wasser in Flaschen und Tanks – erwerben. 8) Tageschau: Wassermangel im Südirak Die giftige Brühe des Schatt al-Arab; Artikel vom 02.12.2018 9) Irak: Wasserkrise in Basra: Jahrzehntelange Misswirtschaft, Verschmutzung, Korruption; Artikel vom 22.07.2019

Auch die einstige Regierung unter Saddam Hussein ist mitverantwortlich für derzeitige Situation. Nach der Niederlage im zweiten Golfkrieg begann die schiitische Mehrheit im südlichen Irak gegen den diktatorischen Herrscher zu rebellieren. Saddam rächte sich, indem er Moore und Märsche trockenlegen ließ. Früher wurden die Sumpfgebiete von Schmugglern, Kriminellen und schiitischen Rebellen als Rückzugsgebiet genutzt. Als Folge sahen sich die Bewohner der Feuchtgebiete ebenfalls gezwungen in die Großstadt Basra auszuwandern.

Vergangenes Jahr im Sommer kam es zu tagelangen Demonstration in der Stadt, die von den Behörden gewaltsam niedergeschlagen wurden. Die Protestierenden verlangten mehr Arbeitsplätze, die Bekämpfung der Korruption und die Wiederherstellung der Infrastruktur. Daraufhin verlor der damals amtierende Ministerpräsident Haider al-Abadi die darauffolgende Wahl gegen Adil Abdul-Mahdi. Dieser versprach, das Leben in der Provinzhauptstadt Basra zu verbessern. Bislang jedoch schenken weder die Zentralregierung in Bagdad noch die Provinzverwaltung dem Großraum Basra und seinen Problemen wesentliche Beachtung. 10) Spiegel: Umweltsünden im irakischen Basra: So sieht das „Venedig des Nahen Ostens“ heute aus; Artikel vom 02.02.2019  11) taz: Junge Generation im Irak begehrt auf: Das Salz in den Wunden von Basra; Artikel vom 23. 6. 2019 12) Irak: Wasserkrise in Basra: Jahrzehntelange Misswirtschaft, Verschmutzung, Korruption; Artikel vom 22.07.2019

Shukri Ibrahim Hussein, Professor an der Universität Basra, warnt. „Der Schatt al-Arab wird nie mehr derselbe sein. Das Leiden wird lange dauern. Der Schatt al-Arab wird weiter vernachlässigt und zu einem stehenden Salzwasser-Gewässer werden.“ 13) Tageschau: Wassermangel im Südirak Die giftige Brühe des Schatt al-Arab; Artikel vom 02.12.2018

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Dominik Strauch

Ich habe letztes Jahr an der Samuel-Heinicke-Fachoberschule den Abschluss gemacht. Jetzt absolviere ich den Bundesfreiwilligdienst bei earthlink e. V.. Ich möchte selbst aktiv bei sozialpolitischen Themen mitwirken und freue mich neue Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit zu sammeln.

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