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Amazonas in Flammen: Wie unsere Lebensweise den größten Regenwald der Erde zerstört

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Amazonas Abholzung Der Amazonas-Regenwald brennt aufgrund von Abholzung. Pirititi, Brasilien  |  Bild: © Karl-Ludwig Poggemann [ (CC BY 2.0) ]  - flickr

Der Amazonas-Regenwald brennt aufgrund von Abholzung. Pirititi, Brasilien | Bild: © Karl-Ludwig Poggemann [ (CC BY 2.0) ] - flickr

Amazonas in Flammen: Wie unsere Lebensweise den größten Regenwald der Erde zerstört

Seit mehr als 16 Tagen brennen Tausende von Hektaren des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes. Er ist der größte Regenwald der Welt und gilt als die Lunge des Planeten, da er 20 Prozent des weltweiten Sauerstoffs produziert. Die vielen Brände, die den Amazonas zerstören, sind eine echte Naturkatastrophe, die fatale Folgen für das Weltklima und die Artenvielfalt hat. Der Verlust dieses Regenwaldes verschärft den Klimawandel und zerstört die Lebensräume für viele Pflanzen, Tiere und indigene Bevölkerungsgruppen. 1) Publico: Fogos na Amazónia seguem trilho das estradas, diz cientista da NASA, Artikel vom 26.082019

Das Schlimmste ist, dass diese Brände keinen natürlichen Ursprung haben, das heißt, sie wurden vom Menschen verursacht. Der Amazonas ist ein Regenwald und Dürren sind nicht typisch in dieser Region. Sie sind eine Folge der kontinuierlichen Abholzung, die in diesem Gebiet stattfindet. Hinter der Zunahme der Entwaldung von großen Teilen des Amazonasgebietes stehen Interessen von Nationalstaaten und ihren Politikern sowie von multinationalen Unternehmen, die direkt mit der Expansion der Agrar-, Vieh- und Rohstoffindustrie verbunden sind. Im Moment brennen die Flammen in verschiedenen Teilen des Amazonas, aber die Zerstörung dieses Dschungels ist schon seit langem unaufhaltsam. Es geht nicht nur darum, landwirtschaftliche Flächen für die Viehzucht oder den Sojaanbau zu gewinnen. Die Zahl der illegalen Goldminen ist in den letzten Jahren auch gestiegen. 2) Spanish Revolution: La producción de soja para la industria ganadera es la causa principal de la deforestación en América del Sur, Artikel vom 22.08.2019 3) RT: Científico de la NASA contradice a Bolsonaro sobre la causa de los incendios en la Amazonía; Artikel vom 24.08.2019 4) Deutsche Welle: Indignación con Bolsonaro: ¿y luego qué?; Artikel vom 23.08.2019

Einer der Hauptverursacher der Umweltprobleme Brasiliens sitzt seit Anfang diesen Jahres auf dem Stuhl des Präsidenten. Die Regierung von Jair Messias Bolsonaro ist durch neoliberale, antiökologische Maßnahmen gekennzeichnet, die kein Interesse am Schutz des Amazonas zeigen. Bolsonaro hat angekündigt, dass er den Amazonas Regenwald in größerem Maße für die Nutzung durch Unternehmen und Landwirtschaft freigeben wird. Die im Juni dieses Jahres zerstörten Waldflächen waren um 80 Prozent größer als 2018 und die Zunahme der Entwaldung im Jahr 2019 betrug 270 Prozent im Vergleich zum Juli 2018. Diese hohe Zahl von Bränden und die Zunahme der Abholzung fallen mit dem Beginn der Amtszeit von Bolsonaro zusammen. Die Beziehungen des ultrakonservativen Präsidenten zu Viehzüchtern und Landwirten sind öffentlich bekannt. Während seiner Regierung wurde die Politik zugunsten des Schutzes des Amazonas und seiner Bewohner auf ein Minimum reduziert, bis hin zur Kürzung öffentlicher Gelder für Umwelt-NGOs und dem Vorschlag, das Umweltministerium mit dem Landwirtschaftsministerium zu verbinden. Was die aktuellen Brände im Amazonasgebiet betrifft, so hat Bolsonaro sehr wenig getan, um die Situation zu verbessern. Er hat sogar diplomatische Spannungen verursacht, als er die 20 Millionen Dollar, die ihm die G7-Länder zur Rettung des Amazonas angeboten hatten, abgelehnt hat, mit dem Grund, dass diese Länder verdeckte Interessen mit dieser Spende verschleiern würden und dass ihre Absichten eine falsche kolonialistische Mentalität zeigen. 5) Deutsche Welle: Bolsonaro insinúa que las ONG son responsables de incendios en la Amazonía; Artikel vom 21.08.2019 6) La Vanguardia: Bolsonaro fusionará los ministerios de Agricultura y Medio Ambiente; Artikel vom 01.11.2018 7) amerika21: G-7-Staaten sichern Hilfen gegen Waldbrände im Amazonas zu; Artikel vom 26.08.2019 8) The New York Times: Dispute Over Amazon Gets Personal for Bolsonaro and Macron; Artikel vom 26.08.2019 9) Fluchtgrund: Was der neue brasilianische Präsident für unsere Zukunft bedeutet; Artikel vom 02.11.2018

Die Abholzung und Zerstörung des Amazonas ist jedoch nicht allein die Schuld von Bolsonaros Umweltpolitik, sondern auch das Ergebnis des expansiven Wirtschaftsmodells Brasiliens sowie vieler Entwicklungsländer, in denen wirtschaftliche Interessen wichtiger als die Umwelt sind. Der Amazonas ist für die Wirtschaft ein lukratives Geschäft. Brasilien ist der größte Fleischexporteur der Welt und produziert 48 Prozent der globalen Sojabohnen. Daher ist die Nachfrage nach Sojapflanzen als Tierfutter für 80 Prozent der Entwaldung des Landes verantwortlich. Mitverantwortlich für diese Landnahme, Abholzung und die Umweltschäden sind auch die drei größten Handelspartner Brasiliens: China, die Europäische Union und die USA. Viele lokale Firmen werden aus Europa finanziert und mit ihnen der Handel. Nach China ist die Europäische Union mit rund 33 Millionen Tonnen Sojaprodukten pro Jahr der zweitgrößte Sojaimporteur der Welt. Haupttreiber ist der industrielle Viehzuchtsektor in Europa, wobei etwa 87 Prozent des in die EU eingeführten Sojas als Futtermittel für Tiere verwendet werden. 10) Spanish Revolution: La producción de soja para la industria ganadera es la causa principal de la deforestación en América del Sur, Artikel vom 22.08.2019 11) Amazon Watch: European and North American Companies Support Soy, Cattle, and Timber Companies Responsible for Recent Surge in Amazon Deforestation; Artikel vom 25.04.2019 12) BDI: Brasilien: Wichtigster Wirtschaftspartner in Südamerika; Artikel vom 15.03.2019

Es ist eine Tatsache, dass die Brände der letzten Wochen im Amazonasgebiet durch den starken Anstieg der Abholzung in Brasilien verursacht wurden. Daher ist es wichtig zu bedenken, wer für diese Entwaldung verantwortlich ist und welche Nationen mit ihrem Konsum den Verlust dieses Waldes fördern und somit eine gewisse Verantwortung für die Zerstörung des Amazonas und die negativen Folgen tragen. Aus diesem Grund stellen die von Frankreich oder Deutschland angebotenen Millionen von Dollar für den Schutz des Regenwaldes nur eine kurzfristige Lösung dar. Langfristig gesehen, müssten diese Staaten über ihre eigene Importpolitik und ihr eigenes Konsumverhalten nachdenken. Und somit stehen auch wir als Verbraucher in der Verantwortung.

Eine der Gruppen, die am stärksten von der aktuellen Situation des Amazonas und der Umweltpolitik von Bolsonaro betroffen sind, sind die indigenen Völker des brasilianischen Amazonasgebiets. Die Regierung von Bolsonaro hat seit ihrem Wahlkampf den 900.000 Indigenen in Brasilien den Krieg erklärt. Der brasilianische Präsident hat eine Reihe Maßnahmen in Gang gesetzt, die die indigenen Rechte schwächen und ihre Lebensräume bedrohen. Beispielsweise hat er indigene Gebiete in die Hände des Landwirtschaftsministeriums übergegeben. Geplante Projekte im Amazonasgebiet verschmutzen nicht nur die Umwelt, sondern fördern auch Unterdrückung, Gewalt und Marginalisierung von einheimischen Gemeinschaften, die sich der Präsenz von Großunternehmen in ihren Gebieten widersetzen. Auf diese Weise werden die fast eine Million Indigenen dieses südamerikanischen Landes zur Flucht gezwungen, obwohl sie die Biodiversität ihres Dschungels am meisten schützen. 13) Survival: La Presidencia de Bolsonaro podría ser catastrófica para los indígenas de Brasil; Artikel vom 06.11.2018 14) amerika21: Tausende Indigene protestieren in Brasilien gegen Landraub; Artikel vom 29.04.2019 15) Sputnik: Gobierno de Bolsonaro en Brasil le declaró la guerra a los indígenas; Artikel vom 13.02.2019

Waldbrände in Brasilien sind keine Unfälle. Was dort passiert, ist die Folge der Zunahme des Raubbaus, und das kostet uns die irreversible Zerstörung der Natur. Wenn eine so große natürliche Ressource wie der Amazonas weiter zerstört wird, werden Millionen von Menschen die Folgen des Klimawandels zu spüren bekommen und die in diesen Gebieten lebenden Ureinwohner müssen ihre Heimat verlassen. Der Schutz des Amazonas ist nicht nur ein Problem für Brasilien und die Amazonasländer, sondern ein globales Problem. Darüber hinaus ist der brasilianische Amazonas nicht der einzige Ort, der derzeit in Gefahr ist. Verheerende Brände haben 700.000 Hektar Regenwald im Nachbarland Bolivien zerstört, und Bilder von der NASA zeigen, dass auch der Mittelstreifen des afrikanischen Kontinents unter Großbränden leidet. Allein in Angola und im Süden der Demokratischen Republik Kongo gab es mehr als 10.000 aktive Brände. Dies zeigt nur, dass die Welt mit einer schweren Umweltkrise konfrontiert ist, die den Klimawandel beschleunigt. Aus diesem Grund und wegen Regierungen wie der von Bolsonaro, von denen man nichts erwarten kann, spielt die internationale Zusammenarbeit eine extrem wichtige Rolle. Darüber hinaus ist der individuelle Beitrag, der das ökologische Bewusstsein fördert, heute eine Notwendigkeit. 16) Deutsche Welle: Indignación con Bolsonaro: ¿y luego qué?; Artikel vom 23.08.2019 17) Independent: Climate crisis: More fires burning across central Africa than Amazon as global deforestation rates approach record high; Artikel vom 28.08.2019 18) CNN: Incendios en Bolivia han quemado más de 700.000 hectáreas; Artikel vom 26.08.2019

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Micaela Sánchez

Ich bin die Mica, ecuadorianische Studentin von Politikwissenschaft und Soziologie. Ich interessiere mich sehr für Entwicklungsländer und ihre politische und sozial relevante Situationen. Ich möchte bei earthlink mich mit entwicklungspolitischen Themen beschäftigen und hoffe, ich werde noch vieles lernen.

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