Seiten
Kategorien

Klimawandel: Gletscherschmelze zwingt Bewohner der peruanischen Anden zur Flucht

-

Cordillera Blanca Peru Tocllaraju Berg im peruanischen Cordillera Blanca ist vom Klimawandel bedroht  |  Bild: © twiga269 [(CC BY-NC 2.0) ]  - Flickr

Tocllaraju Berg im peruanischen Cordillera Blanca ist vom Klimawandel bedroht | Bild: © twiga269 [(CC BY-NC 2.0) ] - Flickr

Klimawandel: Gletscherschmelze zwingt Bewohner der peruanischen Anden zur Flucht

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben sich die Naturkatastrophen in den letzten 20 Jahren als Folge des Klimawandels verdoppelt. Allein im Jahr 2017 waren rund 19 Millionen Menschen weltweit durch Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Tsunamis, Erdrutsche oder Hurrikane zur Flucht gezwungen. Die Prognosen der UNO und der IOM sind jedoch viel alarmierender und gehen davon aus, dass es bis 2050 250 Millionen Klimaflüchtlinge geben wird. Das bedeutet mindestens 6 Millionen Vertriebene pro Jahr, die aufgrund von Umweltveränderungen oder Naturkatastrophen ihre Heimat verlassen werden. 1) UNO Flüchtlingshilfe 2018: Klimawandel als Fluchtgrund; aufgerufen am 24.07.2019 2) medico international: Umweltzerstörung und Klimawandel; Veröffentlicht am 24.01.2019

Veränderungen in der Umwelt sind auch als Gründe für die Klimamigration angesehen. Zu diesen Veränderungen gehören Gletscherschmelzen, steigender Meeresspiegel, Niederschläge, Dürren und weitere. Durch die globale Erwärmung ist die Temperatur auf der Erde gestiegen, was zu einem Verlust von 10 bis 30 Prozent der Gletscher geführt hat. Diese Reduzierung der Eismasse hat Tausende von Gletscherseen geschaffen, die wiederum Ackerland und Vegetation schädigen. Aber das Abschmelzen der Gletscher hat auch starke soziale Auswirkungen. Die Menschen in der Nähe der Eisgebirge sind Lawinengefahren ausgesetzt, sind in ihrem Land, ihrem Wasserverbrauch und ihrer Nahrungsversorgung betroffen. All dies trägt nur dazu bei, dass diese Bevölkerungsgruppen aufgrund der globalen Erwärmung bzw. des Klimawandels gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. 3) Teófilo Altamirano 2014: Refugiados ambientales: cambio climático y migración forzada 4) Europäisches Institut für Klima und Energie: Klimawandel muss endlich weltweit als Asylgrund anerkannt werden; Beitrag vom 18.11.2018

Dies ist der Fall bei den Bewohnern rund um die Cordillera Blanca in Peru. Die Cordillera Blanca hat viel Aufmerksamkeit von Glaziologen und Forschern verdient, weil sie die größte Anzahl von Gletschern der Welt hat. 70 Prozent der tropischen Gletscher befinden sich in diesem südamerikanischen Land, womit es eines der vier Länder ist, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Diese Cordillera hat 722 Gletscher und 374 Gletscherseen, was Peru zum ersten Land der Welt bei „Gletscherkatastrophen“ macht. In den letzten 50 Jahren ist die Anzahl der Seen in Peru durch das Abschmelzen der Gletscher um mehr als 70 Prozent gestiegen und es gibt derzeit fünf große Seen mit Lawinengefahr. 5) iAgua: Perú: Cambio climático, sismos, deshielos y desbordes en la Cordillera Blanca; Artikel vom 01.07.2019 6) Zeit Online: Perus Gebirge werden braun; Artikel vom 04.10.2013 7) Victor M. Ponce 2015: Efecto del cambio climático sobre la Cordillera Blanca del Perú 8) EFE: El cambio climático extingue los glaciares en Perú; Artikel vom 18.07.2017

Ein gutes Beispiel ist der Palcacocha-Gletscherrandsee im Huaraz Gebiet der peruanischen Anden. Diese Lagune ist seit 1970 um das 30-fache gewachsen und ihr Wasserstand ist in den letzten Jahren so stark gestiegen, so dass dort aufgrund einer Überflutungsgefahr ein permanenter Notstand herrscht. Gleichzeitig ist die Bewohnerzahl von Huaraz gewachsen und heute wohnen in diesem Gebiet ca. 130.000 Menschen, die große Mehrheit davon lebt in ständiger Gefahr einer Naturkatastrophe durch die Palcacochasee. Wissenschaftler haben vorhergesagt, dass ein Schwemmland in diesem Gebiet den nächsten Fluss so hoch ansteigen lassen könnte, dass alle Menschen, die in der Nähe leben, in wenigen Minuten betroffen wären. Die Bedrohung ist imminent: Am 5. Februar dieses Jahres fiel eine riesige Eislawine in den Palcacochasee und erzeugte Wellen von 4,5 Metern Höhe. Die 7 Meter hohen Schutzwälle konnten gerade noch verhindern, dass die Wassermassen die Bewohner des Huaraz erreichen. Allerdings ist das Risiko, dass sich etwas Ähnliches wiederholt sehr hoch und das besorgt die Bewohner des Gebietes sehr. 9) Germanwatch: Der Fall Huaraz; aufgerufen am 24.07.2017 10) Germanwatch: Der Fall Huaraz im vierten Jahr; Artikel vom 24.04.2019 11) El Comercio Perú: Áncash: avalancha en nevado cae sobre alguna Palcacocha; Artikel vom 06.02.2019

Wenn staatliche Institutionen keine effizienten Maßnahmen ergreifen, um dieses Problem zu kontrollieren und wenn diese Bevölkerungsgruppen nicht in ständiger Gefahr leben wollen, besteht die einzige Möglichkeit für sie darin zu fliehen. Obwohl es keine genauen Zahlen gibt, wie viele Menschen wegen der Gefahr von Gletscherschmelze in Peru ihr Zuhause verlassen haben, erklären viele Bewohner, dass sie zu ihrer eigenen Sicherheit umziehen würden. Der Wechsel in sichere Bereiche ist jedoch keine leichte Lösung. Zum einen verfügen die meisten Huaraz-Bewohner nicht über die finanziellen Ressourcen, um ihre Häuser und ihr Gelände zu verlassen. Zum anderen verlieren viele indigene Gemeinschaften durch ihren Umzug viel von ihrer Kultur, ihren Wurzeln und sozialen Strukturen.  12) Teófilo Altamirano 2014: Refugiados ambientales: cambio climático y migración forzada 13) Germanwatch: Der Fall Huaraz; aufgerufen am 24.07.2017

Es ist widersprüchlich, dass diese Bevölkerungsgruppen in Peru, die wenig zum Klimawandel beigetragen haben, am stärksten betroffen sind. Entwicklungsländer sind insgesamt am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen, obwohl die Industrieländer die Hauptverantwortlichen sind. Westliche Industriestaaten und auch einige Schwellenländer wie Indien und China verursachen ca. 80 Prozent der schädlichen Emissionen, die den Klimawandel nur verstärken. So verbraucht beispielsweise ein Bewohner einer Industrienation wie den USA fünfmal mehr CO2 als ein Bewohner eines Entwicklungslandes. 14) medico international: Umweltzerstörung und Klimawandel; Veröffentlicht am 24.01.2019

Die Flucht vor dem Klimawandel ist eine greifbare und beobachtbare Tatsache. Die Zukunftsprognosen vieler Klimaorganisationen sagen voraus, dass der Klimawandel bzw. die Umweltveränderungen oder Naturkatastrophen unwiderruflich voranschreiten werden. Dies wird nur dazu führen, dass mehr Menschen wie die Bewohner der peruanischen Cordillera Blanca ihre Heimat verlassen müssen. Angesichts dessen gibt es kein Zurück, denn der Klimawandel und seine Auswirkungen, wie das Abschmelzen von Gletschern, sind unumkehrbar. Diese Situation erfordert wegen ihrer potenziell katastrophalen Auswirkungen dringende staatliche und internationale Maßnahmen sowohl auf ökologischer als auch auf sozialer Ebene.

Beitrag teilen und unterstützen! (Bisher 48 Mal geteilt)

Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Micaela Sánchez

Ich bin die Mica, ecuadorianische Studentin von Politikwissenschaft und Soziologie. Ich interessiere mich sehr für Entwicklungsländer und ihre politische und sozial relevante Situationen. Ich möchte bei earthlink mich mit entwicklungspolitischen Themen beschäftigen und hoffe, ich werde noch vieles lernen.

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Ausführlicher Hinweis zum Datenschutz
[contentblock id=datenschutz]

Diesen Hinweis schließen

Jetzt den earthlink-Newsletter abonnieren:



Das Formular
wird geladen -
bitte einen Moment ...
PGlmcmFtZSBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYm9yZGVyPSIwIiBzdHlsZT0iYm9yZGVyOm5vbmU7IiBjbGFzcz0iYXV0b0hlaWdodCIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LmVhcnRobGluay5kZS8/d3BtbG1ldGhvZD1vZmZzaXRlJmlmcmFtZT0xJmxpc3Q9MSIgaGVpZ2h0PSI0MDAiPg0KCTxwPkRhcyBGb3JtdWxhciBsw6RkIC0gYml0dGUgZWluZW4gTW9tZW50IHdhcnRlbiAuLi48L3A+DQo8L2lmcmFtZT4=
Ihre Daten behalten wir für uns!
Unsere Datenschutzerklärung
Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Liebe Leserinnen und Leser:

Verzeihen Sie bitte die Störung. Heute bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Unsere Kampagne "Fluchtgrund" erfährt großen Zuspruch und viel Lob für die umfangreichen und fundierten Informationen, die wir auf dieser Website bieten. Die Informationen werden genutzt von Interessierten, die sich objektiv über die Gründe informieren möchten, die Menschen dazu bringen ihre angestammte Heimat zu verlassen, von Schülerinnen und Schülern um Referate vorzubereiten, aber auch von Journalistinnen und Journalisten auf der Suche nach detaillierten Hintergrundinformationen. Aber nur ein Bruchteil der Nutzer spendet.

Trotzdem ein großer Teil der Arbeit durch Ehrenamtliche erbracht wird, kostet die Kampagne auch Geld. Hier sind wir auf Ihre Spende angewiesen! Wenn alle, die dies lesen, einen kleinen Beitrag leisten, hätten wir in einem Monat das Geld zusammen, das wir für ein Jahr benötigen. Schon der Preis einer Tasse Kaffee würde genügen. Es ist leicht, diese Nachricht nicht zu beachten und die meisten werden das wohl tun.

Wenn Sie diese Website nützlich finden, nehmen Sie sich jetzt bitte eine Minute Zeit und geben Sie mit Ihrer Spende etwas zurück. Herzlichen Dank!

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Sie können uns Ihre Spende online per PayPal zukommen lassen. Wenn Sie noch kein PayPal-Konto haben, können Sie hier auch mit Kreditkarte spenden.

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft!

Ihre Spende können Sie gerne auf unser Spendenkonto überweisen oder einzahlen:

[contentblock id=spendenkonto]

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?