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Greenwashing in Indonesien und Myanmar – Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in der Palmölproduktion

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  Bild: © Rainforest Action Network [CC BY-NC 2.0]  - Flickr

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Greenwashing in Indonesien und Myanmar – Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in der Palmölproduktion

Der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“ wird des sogenannten „Greenwashing“ beschuldigt –  einer Methode, anhand derer Firmen versuchen ihre Produkte als besonders umweltfreundlich und ethisch darzustellen, ohne jedoch fragwürdige Strategien wirklich zu verändern. Humanitäre Organisationen und Umweltgruppen berichten, dass sowohl die Arbeiter auf den Farmen als auch die Umwelt trotz unabhängiger Kontrollen immer noch unter schlechten Zuständen leiden. In Indonesien und Myanmar, wo die Ölpalme heimisch ist, verschwinden infolge der Entwaldung bedrohte Regenwälder aufgrund der steigenden Nachfrage durch die großen Lebensmittel- und Verbrauchsgüter-Firmen. Der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO) enttäuschte die Arbeiter und die Bevölkerung, denn er versprach einen Wandel und verbesserte Zustände in der Industrie, aber man hielt seine Versprechen nicht ein.

Laut der „Fair Labor Association“ misslangen dem RSPO seine Pläne der Schaffung eines sichereren Arbeitsumfeldes. In einem Bericht vom November 2018 wurde behauptet, dass die Arbeiter unrealistische Produktionsziele als Vorgabe erhielten, wenig Lohn bekämen, und wenig Bewegungsfreiheit hätten. Infolge von Menschenhandel werden Leute auch als Zwangsarbeiter zu den Plantagen gebracht. Darüber hinaus gibt es auf vielen Plantagen immer noch Kinderarbeit. Ein Arbeiter erzählte der „Environmental Investigation Agency“, dass man sie als Nutztiere benutzen würde. Für sechs Monate Arbeit bekam er keinen Lohn und sein Pass wurde von seinem Arbeitergeber gestohlen, so dass er nicht fliehen konnte. Frauen sind oft mit Pestiziden und Dünger beschäftigt, die häufig große gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Kinderarbeit ist auch üblich, besonders in Indonesien. Auf vielen Plantagen sind die Produktionsziele sehr hoch so bringen viele Eltern ihre Kinder mit, um mehr Geld zu verdienen.  1) The Consumer Goods Forum: ASSESSING FORCED LABOR RISKS IN THE PALM OIL SECTOR IN INDONESIA AND MALAYSIA; Veröffentlicht November 2018 

Die „Environmental Investigation Agency“ fand auch heraus, dass die nach den Standards der RSPO erlaubte Entwaldung und andere Grundsätze nicht durch die Betriebsprüfungen von unabhängigen Organisationen durchgesetzt werden. Gemäß der EIA machten die Prüfer falsche Angaben hinsichtlich der Richtlinienverstöße, die Misshandlungen von Arbeitern beinhalteten; Teil der Verfehlungen waren die Entwaldung von indigenen Gebieten und Naturschutzgebieten . In Long Teran Kanan in Malaysia wurde davon berichtet, dass einige Palmölproduzenten ohne Genehmigung Land von Ureinwohnern in Besitz nahmen. Der RSPO sollte die Zertifikate für jene Plantagen eigentlich aussetzen, was aber nie geschah, weil der Prüfer einen falschen Bericht geschrieben hatte. An dieser Stelle haben also die Bevölkerungen nur geringe Chancen, ihr Land wieder zurückzubekommen, weil die Vorgehensweise tatsächlich völlig legal ist. Sie wurden aus ihrem Land gedrängt und verloren so ihre Lebensgrundlage.2) ENVIRONMENTAL INVESTIGATION AGENCY :WHO WATCHES THE WATCHMEN? Auditors and the breakdown of oversight in the RSPO; Veröffentlicht November 2015

Darüber hinaus kam es zu einer illegalen Störung des biologischen Gleichgewichts auf vielen Torfgebieten, die ja bekanntlich als Kohlenstoffspeicher dienen. Dies wiederum führte dazu, dass viele umweltschädliche Gase in die Atmosphäre ausgestoßen wurden. Die Entwaldung von diesem Torfland, die aufgrund des Palmölanbaus vorangetrieben wird und sich zunehmend verbreitet, ist ein großer Beiträger zum Klimawandel, denn dadurch werden jedes Jahr circa 500.000 Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. 3) Mother Jones: We Need to Talk About Palm Oil; Veröffentlicht 27.12.2018 . Der Klimawandel hat viele Folgen. Zum Beispiel einen steigenden Meeresspiegel sowie steigende Temperaturen und Umweltzerstörung. Konsequenterweise rechnen zahlreiche Wissenschaftler mit 200 Millionen Klimaflüchtlingen bis zum Jahr 2050.

Das vermehrte Setzen auf Nachhaltigkeit bei den Unternehmen geht auf den Wunsch nach nachhaltigen Konsumgütern in den entwickelten Ländern zurück. In den letzten Jahren wurden Verbraucher hierzulande vermehrt über die Umstände, unter denen Arbeiter in Entwicklungsländern leiden, informiert, weshalb sie mehr Transparenz von den Produzenten forderten. Als Antwort darauf entstanden unabhängige Zertifizierungsorganisationen wie zum Beispiel die „Rainforest Alliance“ und „Fair Trade“, welche die Qualität und einen transparenten Produktionsprozess der Produkte versicherten, auf denen ihr Siegel aufgeklebt ist. Viele Verbraucher trauen diesen Organisationen und der garantierten Transparenz, die sie damit assoziieren. Aber Kritikern behaupten, dass Gruppen wie RSPO versuchen den Verbraucher zu täuschen, um mehr Geld und eine schönere Vorstellung zu bekommen. Nun zeigen neue Studien, dass sich das Spiel mit den gefälschten Zertifizierungen für die Firmen nicht lohnt. Denn wenn Verbraucher entdecken, dass sich eine Firma unbegründet als nachhaltig darstellt, schneidet sie in der Reputation schlechter ab als Firmen, die nicht auf Nachhaltigkeit setzen 4) Knowable Magazine: A blizzard of „sustainablity“ labels; Veröffentlicht 07.05.2019 .

Tatsächlich sind derartige Probleme in der Palmölindustrie schon seit über zehn Jahren bekannt. Von einer oberflächlichen Ebene aus betrachtet scheint alles schon viel besser für die Arbeiter und die Umwelt in Indonesien und Myanmar zu sein, weil eine Nachhaltigkeitsprüfungsorganisation theoretisch alles kontrolliert. Aber in der Realität hat sich wenig verändert. Statt Lösungen aufzuzeigen, kaschiert der RSPO die Probleme oftmals sogar. Sofern also diese Probleme ungelöst bleiben, werden sie sich lediglich noch verschlimmern – die Menschenrechtsverletzungen und Umweltschädigungen werden zu noch mehr Flucht führen. Wir sollten unsere Produkte also bewusst und aufmerksam kaufen, so dass wir Greenwashing und die Schädigung von Mensch und Umwelt nicht unterstützen.

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

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Christiane kommt aus Detroit, Michigan, USA. Sie studiert Germanistik und Anglistik an Wayne State University. Sie macht eine Austauschjahr an der Universität München und eine 3 Monate lang Praktikum beim EarthLink. Ihr Hund ist ihre beste Freund.

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