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Wie eine lange Geschichte US-amerikanischer Einmischung Guatemala verarmen ließ

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Hunger in Guatemala Hunger in Guatemala |  Bild: "THE FIGHT AGAINST MAULNUTRITION: GUATEMALA" © United Nations Photo [CC BY-NC-ND 2.0]  - Flickr

Hunger in Guatemala | Bild: "THE FIGHT AGAINST MAULNUTRITION: GUATEMALA" © United Nations Photo [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Wie eine lange Geschichte US-amerikanischer Einmischung Guatemala verarmen ließ

Im Januar 1951 wurde Jacobo Arbenz durch freie Wahlen zum damaligen Präsidenten von Guatemala gewählt. Er hatte verheißungsvolle Pläne für sein Land. So wollte er insbesondere das Ackerland unter den landlosen Bauern aufteilen. Zu dieser Zeit gab es in Süd- und Mittelamerika riesige Bananenplantagen, die im Besitz des amerikanischen Konzerns United Fruit Company (UFC) waren. UFC besaß circa 222.577 Hektar in der Nähe der atlantischen Küste, von denen 85 Prozent unkultiviert waren. 1) United Fruit Historical Society: Jacobo Arbenz: Stand 25.4.2019  Im März 1953 verstaatlichte Guatemala circa 85 Hektar der von der United Fruit Company bewirtschafteten Felder. Dafür bot Arbenz der UFC Wertpapiere im Wert von 627.572 Dollar als Entschädigung an. Die United Fruit Company, heute Chiquita, hatte direkte Verbindungen nach Washington D.C., wo sich CIA Direktor Allen Dulles und sein Bruder John Foster Dulles, der damals Außenminister war, freudvoll ob der lukrativen Geschäfte die Hände rieben. Die Geschwister hatten einen Interessenskonflikt mit Arbenz: Sie besaßen eine große Menge an Aktien von United Fruit und die Landübernahme bedrohte ihre Interessen. Einen Monat später kam Außenminister Dulles zu Arbenz und forderte 15.854.849 Dollar Entschädigung für das Land, aber Guatemala weigerte sich. Also entschieden sich die Geschwister Dulles und Präsident Eisenhower, einen Putsch in Guatemala durchzuführen, um so die Interessen der Aktieninhaber zu wahren. In der Folge fuhren die Dulles-Geschwister qua CIA eine Schmutzkampagne gegen die Arbenz-Regierung. Dabei beschimpften sie Arbenz als Kommunisten. 2) Ganser, D. (2017). Illegale Kriege. Zürich: Orell Füssl Zu dieser Zeit bekam Cornel Carlos Castillo Armas, ein alter politischer Gegner von Arbenz, Waffen und Gelder aus den USA, um einen Putsch zu fördern. Am 1. September 1954 wurde Castillo Armas der neue Präsident von Guatemala und die United Fruit Company bekam ihr Land zurück. Im Jahre 1957 wurde er selbst im Zuge eines Putsches ermordet. General Idigoras, sein Nachfolger, war jedoch noch schlimmer und herrschte über Guatemala mit eiserner Hand. Infolge von Korruption und dem Bürgerkrieg, der ab 1960 in dem Land tobte, verarmte Guatemala zunehmend und hatte Tausende Tote zu beklagen.

Die USA sind auch der letztliche Grund für die Drogenkartelle in Süd- und Mittelamerika; denn die USA sind drogensüchtig und die Kartelle decken die Nachfrage. Die Kartelle wiederum kämpfen untereinander und mit den Regierungen, um ihr Produkt in die USA liefern zu können. Historisch gesehen war Guatemala für die Kartelle nur eine Zwischenstation zwischen Kolumbien und den USA und hat selbst nur wenig Kokain produziert. Im Juli 2018 wurden 74.368 Koka-Pflanzen samt den zur Kokain-Produktion notwendigen Zutaten im guatemaltekischen Cobán, Alta Verapaz, gefunden. 3) Latin American Post: Guatemala: From a trafficking bridge to a drug producing country? Veröffentlicht am 1.6.2018  Aufgrund des harten staatlichen Durchgreifens in Mexiko fliehen die Kartelle in Nachtbarländern wie Guatemala, die den Kartellen weniger entgegenzusetzen haben.

Gleichzeitig haben die USA eine gute Geschäftsbeziehung mit den Kartellen. Waffen-Produzenten profitieren von der Gewalt in Süd- und Mittelamerika, denn täglich werden amerikanische Waffen gekauft und gen Süden geschmuggelt. Zwischen Januar 2007 und Oktober 2017 wurden 47.340 Waffen von der guatemaltekischen Polizei beschlagnahmt. 4)  Insight Crime: One Firearm Seized Every Two Hours in Guatemala Veröffentlicht am 17.1.2018 Das „US Bureau of Alkohol, Tobacco, Firearms and Explosives“ schätzt, dass 40 Prozent dieser Waffen aus den USA kommen. 5) Christian Science Montier: How American guns in Latin America spur the immigration crisis : Veröffentlicht am 1.10.2018   All diese Waffen werden benutzt, um hilflose Frauen und Kinder zu terrorisieren. Lockere Waffengesetze ermöglichen den Waffenverkauf an fast jeden, d.h. dass täglich viele Waffen an der Grenze gekauft und nach Guatemala geschmuggelt werden, ohne dass jemand Fragen stellen würde. Amerikanische Lobbygruppen wie die National Rifle Association (NRA) verhindern, dass strengere Waffengesetze in den USA den Kongress passieren. Derartige neue Gesetze würden den Kauf dieser Waffen verhindern. Diese Handlungsunfähigkeit hat katastrophale Folgen. Im Prinzip exportiert man Gewalt gegen Geld – zu Lasten von Zivilpersonen. Daher entscheiden sich viele dazu zu fliehen, statt im Verderben zurückzubleiben.

Guatemala ist einer der größten Kaffeeproduzenten der Welt. In den letzten Jahren verdarben Kaffeerost, ein Pilz, welcher die Kaffee-Pflanzen befällt, und der Klimawandel die Ernten. Zudem fielen aufgrund größerer Ernten in Brasilien die Kaffeepreise auf einen Tiefstand. 6) Time: Why Are So Many Migrants Leaving Guatemala? A Crisis in the Coffee Industry Is One Reason Veröffentlicht 28.7.2018  Das bedeutet: Die Bauern und Arbeiter bekommen weniger Lohn. Viele Arbeiter verdingten sich früher in Mexiko oder in größeren Städten. Heute jedoch lohnt es sich nicht mehr, weil es jetzt gefährlicher ist und man weniger Lohn bekommt. Viele haben keine anderen Möglichkeiten, um Geld zu verdienen; also migrieren sie in die USA, wo sie auf ein besseres Leben hoffen.

Migration ist ein komplexes Thema. Die Probleme in Guatemala ebenso wie in vielen anderen süd- und mittelamerikanischen Ländern sind großteils auf die lange Geschichte von amerikanischen Interferenzen zurückzuführen. Dennoch schicken die USA die Migranten weg, sobald sie vor ihrer Haustür sind. Die USA sollten den Schaden, den sie in Guatemala und anderen süd- und mittelamerikanischen Ländern angerichtet haben, endlich begleichen, indem sie neue, strengere Waffengesetze und eine bewusste Abkehr von illegalen Drogen forcieren.

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Christiane Radford

Christiane kommt aus Detroit, Michigan, USA. Sie studiert Germanistik und Anglistik an Wayne State University. Sie macht eine Austauschjahr an der Universität München und eine 3 Monate lang Praktikum beim EarthLink. Ihr Hund ist ihre beste Freund.

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