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Weil wir füttern und schlachten: Menschen werden aufgrund unseres Fleischkonsums in die Flucht getrieben

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 Die Massentierhaltung für unseren Konsum fördert Welthunger und Fluchtgründe |  Bild: ©  James Hill [CC BY-NC-ND 2.0]  - flickr

Die Massentierhaltung für unseren Konsum fördert Welthunger und Fluchtgründe | Bild: © James Hill [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Weil wir füttern und schlachten: Menschen werden aufgrund unseres Fleischkonsums in die Flucht getrieben

Fleisch ist im Leben der Menschen in Industrieländern zum Alltag geworden. Selten geht der Griff beim Einkauf an Tierprodukten vorbei. Jeder Deutsche konsumiert pro Kopf im Jahr knapp 60 Kilogramm Fleisch. Weltweit werden insgesamt über 20 Milliarden Hühner, Rinder, Schweine und Schafe für die Lebensmittelproduktion gezüchtet und gehalten. Der übermäßige Fleischkonsum ist zum Problem geworden. Der übermäßige Verzehr von Fleisch ist laut Forschern ungesund und die Tierhaltung stellt eine Bedrohung für das Klima dar. Da Viehzüchtung meist mit dem eigenen Land in Verbindung gebracht wird, vergessen die meisten, dass Fleisch einen langen Verarbeitungsprozess durchläuft, bevor es in den Kühlregalen eines Supermarktes landet. Unter den vielen negativen Folgen der Fleischproduktion leiden die Ärmsten der Welt am stärksten. 1) Food Service, Online-Rechner zeigt Auswirkungen von Fleischkonsum – Artikel vom 08.01.2019   2) Zentrum der Gesundheit, Sechs überzeugende Argumente, weniger Fleisch zu essen – Artikel vom 16.02.2019   3) WWF, Der Appetit auf Fleisch und seine Folgen – Artikel vom 08.05.2015

Fleischkonsum verstärkt den Welthunger

Der Großteil der Weltbevölkerung hungert. Rund 800 Millionen Menschen sind unterernährt. Obwohl die auf der Erde hergestellte Nahrung für 12 Milliarden ausreichen sollte, scheinen nicht alle der aktuell fast 8 Milliarden Menschen tatsächlich etwas von diesem übermäßigen  Essen zu sehen. Wo landet es denn? Statt auf die Teller unterernährter Kinder zu gelangen, geraten 35 Prozent der globalen Getreideernten in die Tröge von Tieren in Massenhaltung. In Deutschland sind sogar 60 Prozent der Erträge für Vieh bestimmt. Lediglich 43 Prozent des globalen Getreides dient tatsächlich als Lebensmittel. Unser Appetit auf Fleisch fördert die Ausweitung des Anbaus von Soja, Mais und Weizen durch industrielle Großkonzerne auf der ganzen Welt. Dabei erhöht sich auch der Preis für diese Grundnahrungsmittel, weshalb ärmere Menschen sich diese kaum mehr leisten können. Nicht Anwohner werden mit dem in ihrem Land angebauten Getreide gefüttert, sondern unsere Tiere hier in Europa. Diese Ungleichheit wird zudem durch den übermäßigen Export von Fleischware aus Deutschland verstärkt. Das Ziel der maximalen Produktion im Tiersektor wurde schon lange erreicht und ein Überschuss entstand. Dieser führte dazu, dass heute der Süden der Welt von teuren Fleischimporten abhängig ist. Die Existenzgrundlage vieler Kleinbauern auf dem afrikanischen Kontinent sowie in Südamerika wurde durch Fleisch aus konventioneller Massentierhaltung zerstört. Unfaire Wettbewerbsbedingungen trugen zum Welthunger bei, dennoch wird heute kaum ein sogenannter „Wirtschaftsflüchtling“ anerkannt. Dabei entzieht unser Konsum genau diesen Menschen die Lebengrundlage in ihrer Heimat. 4) proveg international, Welthunger und die Rolle des Fleischkonsums – Stand: 21.02.2019 5) omeda, Nachhaltige Ernährung – gut für Mensch und Umwelt – Artikel 06.02.2019 6) WWF, Der Appetit auf Fleisch und seine Folgen – Artikel vom: 08.05.2015 7) Brot für die Welt, Sojaanbau in Lateinamerika. Tierfutter statt Nahrungsmittel – Stand: 21.02.2019 8) medico international, Globalisierung & Fluchtursachen. Migration als Antwort – Artikel vom: 15.09.2019

Wie Fleisch die Klimakrise verschlimmert

Auch ökologische Krisen stellen keine Basis für einen Rechtsanspruch auf Unterstützung dar. Doch hier gießt ebenfalls der Westen Öl ins Feuer der ärmeren Länder und versucht sich danach aus der Verantwortung zu ziehen. Massentierhaltung gilt als Hauptverursacher für Feinstaub und produziert bis zu 28 Mal mehr Treibhausgase, als die Herstellung von Obst oder Gemüse. Die Rinderzucht ist für den steigenden Ausstoß von Methan verantwortlich: Die chemische Verbindung ist fast 25 Mal klimaschädigender als CO2. Darüber hinaus entweicht über Gülle Lachgas, das sogar 300 Mal klimaschädlicher als CO2 ist, in die Luft. Massentierhaltung treibt sozusagen den Klimawandel an. Doch die ersten, die vor Dürre und Naturkatastrophen fliehen müssen, sind nicht die westlichen Verursacher, sondern die Ärmsten der Weltbevölkerung. 9) Humanistischer Pressedienst, Fleisch: Fakten und verhärtete Fronten – Artikel vom: 14.02.2019

Sojaanbau in Südamerika vertreibt indigene Gemeinschaften

Wie bereits erwähnt zwingt der steigende Fleischkonsum die EU dazu ihre Flächen zum Anbau des Tierfutters in andere Länder zu verlegen. Zur Verfütterung wird vor allem aus Sojabohnen gewonnenes Schrot verwendet. Dabei wird hauptsächlich Soja in weiten Teilen Brasiliens, Paraguays Argentiniens und Uruguays geerntet – allein auf Brasilien geht ein Viertel der weltweiten Sojaproduktion zurück. Die Soja-Monokultur nimmt bereits eine Fläche von über 110 Millionen Hektar ein – mehr als das Dreifache der Größe Deutschlands – und reicht weit in den Urwald des Amazonas hinein. 24 Millionen Hektar Südamerikas mussten der Hülsenfrucht weichen und mit der Landeinnahme wurden auch Menschen und Tiere vertrieben. 98 Prozent der 690 anerkannten indigenen Gebiete Brasiliens befinden sich in Amazonien. Agrarkonzerne verjagen dort Regenwaldbewohner teils mit Gewalt, um den Anbau von Viehfutter zu vergrößern. Indigenen Gemeinschaften und Kleinbauern bleibt meist keine andere Wahl, als in die Elendsviertel der Städte zu fliehen. Zum Beispiel wird der Lebensraum der Guaraní – eine der größten Gemeinschaften Südamerikas – durch den zunehmenden Landraub stetig verkleinert. Angriffe auf Stämme, die nicht weichen wollen, nehmen in diesem Kontext ebenfalls zu. Der Einsatz von Pestiziden im Sojaanbau zieht darüber hinaus schwerwiegende Konsequenzen für die Gesundheit der Anwohner im südamerikanischen Raum nach sich. 10) Gesellschaft für bedrohte Völker, Landraub und Gewalt gegen Indigene im Regenwald – Stand: 21.02.2019 11) WWF, Soja – die Anfrage steigt – Artikel vom 27.06.2018 12) WWF, Die Soja-Lüge – Artikel vom: 12.03.2013 13) land-grabbing, Futter statt Land – Stand: 21.02.2019 14) WWF, Der Appetit auf Fleisch und seine Folgen – Artikel vom 08.05.2015

Die Bilanz ist erschreckend: Millionen Menschen hungern und fliehen aufgrund der weltweiten Folgen eines steigenden Fleischkonsums. Das Recht auf Anerkennung als Flüchtling steht dabei kaum jemandem zu. Der Westen zieht sich mal wieder aus der Affäre, obwohl er der Hauptverursacher für Flucht, Verfolgung, Hunger und Klimawandel ist. Deutschland ist dabei der größte Sojaimporteur Europas mit Einfuhren von bis zu vier Millionen Tonnen Sojabohnen pro Jahr. Doch statt heimische Futtermittel durch den Import von Soja vom Markt zu verdrängen, könnten 65 Prozent der Einfuhren durch eigene Produktionen innerhalb Deutschlands ersetzt werden.  Zudem sollten keine Rohstoffe aus Entwaldung angenommen werden. Der Westen könnte eine positive Vorbildrolle für im hohen Fleischkonsum nachziehende Länder wie Indien und China spielen. Auch der einzelne Verbraucher kann mit einer kleinen Ernährungsumstellung etwas bewirken: Zurück zum „Sonntagsbraten“ und hin zu Fleisch, das mit dem EU-Biosiegel versehen ist. Unser Konsum muss nicht nur Menschen in Flucht und Elend stürzen – mit einem veränderten Verhalten können angemessene Lebensgrundlagen für bedrohte indigene Gemeinschaften wiederhergestellt werden. 15) WWF, Soja: Wunderbohne mit riskanten Nebenwirkungen – Artikel vom 21.04.2016 16) Brot für die Welt, Sojaanbau in Lateinamerika. Tierfutter statt Nahrungsmittel – Stand: 21.02.2019

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Ananya / earthlink

Ich heiße Ananya, bin 20 Jahre alt und studiere Politikwissenschaft an der LMU. Mir liegen unsere Umwelt und die Schicksale anderer Menschen sehr am Herzen. Deswegen möchte ich hier bei earthlink e.V. einen kleinen Teil zur Verbesserung der Welt beitragen.

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