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Europas exzessiver Fischfang treibt Menschen in Senegal in die Flucht

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Senegalisisches Fischerboot Die seneglaischen Fischer suchen verzweifelt nach Fang |  Bild: © Sebastián Losada [CC BY-SA 2.0]  - Flickr

Die seneglaischen Fischer suchen verzweifelt nach Fang | Bild: © Sebastián Losada [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Europas exzessiver Fischfang treibt Menschen in Senegal in die Flucht

Der Senegal hat eines der fischreichsten Gewässer der Welt. Das wird dem afrikanischen Land aber immer mehr zum Verhängnis. In der Vergangenheit wurde die Bevölkerung erst versklavt und danach wurde das Land von Frankreich kolonisiert. Seit der Unabhängigkeit 1960 kehrt mit dem Fischfang eine neue Form von Sklaverei in das Land zurück. Die Europäer kamen nach Senegal, um dort zu fischen. Ein besonders beliebtes Fangobjekt ist der Thunfisch. 1)LIPortal: Senegal; 01.12.2018 Die EU zahlt dem Land Geld, um innerhalb einer 20-Meilen-Zone um Senegal Fischfang zu betreiben. Der Betrag beläuft sich allerdings nur auf ein paar Millionen Euro, was an Hand der Fangquote ein lächerlicher Betrag ist. Die Realität der Fischerei sieht nämlich anders aus. Nur etwa 23 Prozent von dem gefangenen Gut wird deklariert und somit fischen die Industriedampfer aus Europa viel mehr, als ihnen eigentlich erlaubt ist. 2)Deutschlandfunk Kultur: Wie Fischfang Migration auslöst; 11.06.2018 Der Senegal wurde außerdem vor Jahren von dem Internalionalen Währungsfonds (IWF) angewiesen, auf seinen Gewässeranspruch zu verzichten. Der Grund warum der Senegal seine Rechte auf die Gewässer abgegeben hat, war eine Drohung des IWF. Sie wollten die Schulden, die der Senegal hatte, nicht mehr erlassen. Somit wurde also auch das Recht auf die Fischerei der Europäischen Staaten illegal erschlichen. 3)Tariq Ali: The Clash of Fundamentalisms: Crusades, Jihads and Modernity; 2002

Der Fischkonsum der europäischen Staaten, der sich von Jahr zu Jahr erhöht hat, raubt der Bevölkerung nicht nur die Nahrung, sondern auch die Arbeit. Die Deutschen beispielsweise essen 22 Kilogramm Fisch pro Kopf im Jahr. Bei einer Bevölkerung von 82 Millionen Menschen in Deutschland (Stand 2017) wären das 1,8 Milliarden Kilogramm Fisch im Jahr. Wie das so oft im Leben ist, verdienen nur die Großkonzerne an dem Fischgeschäft. Und das obwohl 24-mal so viele Kleinfischer wie Personen in industrielle Fischereien beschäftigt werden. Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit Senegals konnten die lokalen Fischer noch an der Küste mit einfachen Netzen ihre Beute fangen. Das hat sich jetzt drastisch geändert! Um überhaupt noch ein Tier ins Netz zu bekommen, müssen die Kleinfischer weit hinaus auf das offene Meer fahren. Dort müssen sie sich einen Kampf mit den großen Dampfern der Industriestaaten liefern. Alleine von 2016 bis 2017 ist der lokale Fischfang bis zu 80 Prozent zurück gegangen. Viele Fischer/-Innen benutzen jetzt kleinmaschige Fangnetze, um überhaupt Erfolg zu haben. Dadurch wird allerdings die Fischbrut zerstört. Die Menschen in Senegal haben aber keine andere Wahl mehr und so sind die eigentlich illegalen Netze das kleinere Übel. 4)INFOsperper: Senegal: wie Überfischung ein Land ruiniert; 28.07.2018 5)Blick: Uns geht der Fisch langsam aus; 08.01.2019

Die senegalesische Ernährungsweise besteht zu Dreiviertel aus Fisch. Mittlerweile ist die Verzweiflung schon so groß und die senegalesischen Fischer versuchen ihr Glück in den Gewässern der Nachbarländer. Das ist allerdings illegal. 6)INFOsperper: Senegal: wie Überfischung ein Land ruiniert; 28.07.2018
Der Senegal und Liberia haben jetzt ein Abkommen geschlossen, um den Fischfang in liberianischen Gewässern zu regeln. Das Land hat 300 Fanglizenzen für Fischer/-Innen aus Senegal für die nächsten fünf Jahre erteilt. Damit lässt sich ungefähr ein Verbrauch an 40.000 Tonnen Fisch decken, der dem Land ca. 10 Millionen Dollar Einnahmen einbringen würde. Zum Vergleich wären mit diesen 40.000 Tonnen an Fisch, nur etwa 2,2 Prozent des deutschen Bedarfs gedeckt.
Die Beziehung der Länder soll durch das Abkommen gestärkt werden. Allerdings entsteht hier die Frage, was eigentlich Liberia davon hat, wenn das Land Verluste beim Fischfang einbüßen muss. Genau das ist auch das Problem der liberianischen Bevölkerung. Die Fischer dort haben Angst, nicht mehr genug zu fangen und ihre Familien nicht mehr ernähren zu können. 7)Front Page Africa: Fisch-Drained Senegal to Exploit Liberian Waters through New Agreement with Government; 30.01.2019

Wie Rechtsanwälte gerade prüfen, könnte das Abkommen zwischen den zwei Ländern aber gegen die liberianische Verfassung verstoßen. In Artikel 7 der Verfassung steht, dass die natürlichen Ressourcen des Landes, also auch der Fisch, so verwaltet muss, dass die Wirtschaft gefördert und das Wohlergehen der Bevölkerung gesichert wird. Da das neue Abkommen aber der liberianischen Wirtschaft und auch der Gesellschaft schaden würde, ist nun die Frage offen, ob es jemals durchgesetzt werden kann. Es ist also noch nichts entschieden. 8)Daily Observer: Do not ratify the proposed Liberia-Senegal Fisheries Agreement; 31.01.2019

Vor drei Jahren sind 10.000 Senegales/-Innen nach Deutschland gekommen, weil sie sich nicht mehr mit ausreichend Nahrung versorgen konnten und an Hunger litten. Bis auf den Fisch hat das Land nicht wirklich viel zu bieten, da die Landschaft trocken und unfruchtbar ist. Der einzige Ausweg für die Menschen: die Flucht. Vor drei Jahren sind 10.000 Senegales/-Innen nach Deutschland gekommen, weil sie sich nicht mehr mit ausreichend Nahrung versorgen konnten und an Hunger litten. Das kann nun auch der Bevölkerung Liberias blühen. 9)Deutschlandfunk Kultur: Wie Fischfang Migration auslöst; 11.06.2018

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Franziska Lackamp

Ich bin Franziska, studiere in München Ethnologie und wenn ich nicht gerade in Südamerika bin und Fotos von Alpakas mache, lese ich viel über internationale Politik und interessiere mich für die Geschehnisse weltweit. Ich will versuchen andere Leute aber vorallem auch mich selbst durch meine Arbeit bei earthlink, mit ein bisschen Wissen zu füttern.

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