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Bevölkerungskontrolle in Asien – Wie der Westen frauenspezifische Fluchtgründe förderte

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Mädchen mit Kind in Indien Mit ihren Bevölkerungskontrollprojekten förderten westliche Industrienationen frauenspezifische Verfolgung in Asien. Heute leiden die Frauen dort vor allem unter Zwangsabtreibungen und Frauenhandel. |  Bild: © Steve Evans [CC BY-NC 2.0]  - flickr

Mit ihren Bevölkerungskontrollprojekten förderten westliche Industrienationen frauenspezifische Verfolgung in Asien. Heute leiden die Frauen dort vor allem unter Zwangsabtreibungen und Frauenhandel. | Bild: © Steve Evans [CC BY-NC 2.0] - flickr

Bevölkerungskontrolle in Asien – Wie der Westen frauenspezifische Fluchtgründe förderte

Mindestens 50 Prozent der weltweit Geflüchteten sind weiblich. Frauen fliehen wie Männer vor Krieg, Hunger und Naturkatastrophen. Darüber hinaus sind sie auch geschlechtsspezifischer Verfolgung ausgesetzt. Zwangsabtreibungen, sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen,  weibliche Genitalverstümmelungen, Frauenhandel, Verschleppung und Versklavung von Frauen und Zwangsverheiratungen zählen zu frauenspezifischen Fluchtgründen. Das weibliche Geschlecht flieht vor allem im asiatischen und afrikanischen Raum vor schwerer Diskriminierung. Diese Kluft zwischen Frauen und Männern kann jedoch nicht ausschließlich auf landesspezifische Traditionen zurückgeführt werden. Durch ihre Bevölkerungspolitik trugen auch die westlichen Industrienationen ihren Teil zur niedrigen Stellung der Frau in Entwicklungsländern bei und verstärkten somit die Fluchtursachen. 1) UNO-Flüchtlingshilfe, Frauen auf der Flucht: Besondere Bedürfnisse von Flüchtlingsfrauen – Artikel von: 2018 2) Brot für die Welt, Geschlechtsspezifische Verfolgung treibt Frauen in die Flucht – Artikel vom: 05.11.2015

Die Bemühungen des Westens um Bevölkerungsreduktion in der Vergangenheit

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs sahen die USA ihren Wohlstand aufgrund der steigenden Bevölkerungszahlen in den sogenannten Entwicklungsländern gefährdet. Das Ziel vieler einflussreicher Stiftungen, wie zum Beispiel der Rockefeller Foundation, war es, die Geburtenrate zu senken. Dabei wurde vor allem der Kinderreichtum in den ärmeren Schichten Asiens in Angriff genommen. Die USA erwarteten für Entwicklungshilfen eine Gegenleistung: die Reduzierung der Bevölkerung im Empfängerland. Auch der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) förderte mithilfe seiner Geldgeber – darunter Deutschland – eine gezielte Bevölkerungskontrolle. China, Indien und Südkorea waren von dieser westlichen Familienpolitik besonders betroffen. Die chinesische Regierung führte auf Druck der USA die Ein-Kind-Politik ein und Indiens damalige Premierministerin Gandhi erhöhte die Sterilisationsquoten. Der Versuch die Armut zu bekämpfen endete mit der Reduzierung der Armen. 3) WDR, 30. August 1974 – UNO-Weltbevölkerungskonferenz beendet – Artikel vom: 30.08.2014

Frauen litten am stärksten unter diesen Bevölkerungskontrollprojekten. Indische Frauen wurden häufiger als Männer unter menschenunwürdigen Bedingungen zwangssterilisiert. Der amerikanische Wissenschaftler Sheldon Segal führte in Indien sogar Menschenversuche mit der damals noch nicht ausreichend getesteten Spirale durch. Doch das genügte dem Westen nicht. Die USA sahen weitere Möglichkeiten die Bevölkerungszahl zu minimieren: Abtreibungen. Ursprünglich waren sie in Entwicklungsländern verboten. Auf Drängen des damaligen US-Außenministers Henry Kissinger wurde jedoch eine Legalisierungs- und Abtreibungswelle in Gang gesetzt. Dabei baute man auf die Sohnpräferenz asiatischer Traditionen: Mit der damals neu erforschten Plazentapunktion sollte das Geschlecht des Kindes vor der Geburt bestimmt werden. Familien müssten nicht mehr ihre ungewollten Töchter zur Welt bringen. Sie konnten stattdessen abtreiben, bis es ein Junge wird. Dabei vernachlässigte der Westen die Tatsache, dass Kinder vor allem in ärmeren Schichten eine geplante Absicherung im Alter sind.  Frauen mussten ihre Töchter abtreiben, weil die USA und der UNFPA die Familienplanung in Asien zu einer Staatsangelegenheit gemacht hatten und nicht, weil sie es wollten. Für die Dezimierung des Kinderreichtums bezahlten viele Frauen Asiens mit ihrem Leben. Und sie zahlen noch heute. 4) WDR-Fernsehen, Die unerwünschten Töchter – Frauenmangel in Asien – Beitrag vom: 06.02.2019

Das Leid der Frauen heute

Die gezielte Familienplanung in Verbindung mit der Präferenz von Söhnen wirkt sich aktuell drastisch auf die asiatischen Gesellschaften aus: Rund 177.000.000 Millionen Mädchen fehlen. Entwicklungsländer sortierten sie damals mithilfe des Westens aus und haben gegenwärtig einen Männerüberschuss.  5) UNFPA, Sex Imbalances at Birth: Current trends, consequences and policy implications – 2012, S. 10

Frauen bleiben die Leidtragenden dieser Entwicklungen. Um ihre Söhne später vermählen zu können, kaufen viele Familien Chinas junge Mädchen, die sie gemeinsam mit ihrem Sohn großziehen. Die entführten Mädchen werden später entweder mit den Söhnen verheiratet oder teuer weiterverkauft. Auch in Indien werden regelmäßig Frauen entführt, zwangsverheiratet und zwangsprostituiert. Opfer, die entkommen können, werden danach oft von der Gesellschaft verstoßen. Südkorea „importiert“ regelmäßig Frauen aus Nachbarstaaten und noch immer werden in diesen Ländern Mütter reicher Familien gezwungen ihre Töchter abzutreiben. 6) Amnesty International, Zwangsheirat – Artikel vom: 16.04.2018 7) Welt, Mädchen werden 35 Mal am Tag vergewaltigt – Artikel vom: 08.07.2014

Die Lage ist ernst: Asiatische Bevölkerungen sind vorwiegend männlich und überaltern. Die Regierungen ruderten bereits zurück und werben für mehr Geburten. Sie führten erneut Belohnungssysteme ein  – diesmal jedoch für die Geburt und nicht für ihre Abtreibung von Kindern. Doch gerade für Mädchen ist das Leben nach den Bevölkerungskontrollprojekten kein angenehmes mehr. Mit dem Anstieg der Zahl an Männern nehmen auch die Gewalttaten gegen Frauen zu. 8) SOS Kinderdörfe, Indien: Gewalt gegen Frauen und Mädchen – Stand: 13.02.2019

Sowohl die Regierungen der Entwicklungsländer als auch westliche Industrienationen haben in der Vergangenheit einen Stein ins Rollen gebracht, der noch immer Frauen in den Abgrund reißt. Anstatt durch wirtschaftliche Stabilität und bessere Bildungschancen für Frauen die wachsenden Geburtenraten auf freiwilliger Basis zu reduzieren, stiftete der Westen Mittel und Methoden für asiatische Länder, die noch heute die Ursache für frauenspezifische Fluchtgründe sind. Die USA und andere Mitglieder des UN-Bevölkerungsfonds tragen Mitschuld an Zwangsverheiratungen, -abtreibungen, -prostitution und Frauenhandel in Ländern wie China, Indien und Südkorea.

Eine Aufarbeitung der Versäumnisse seitens des UN-Bevölkerungsfonds hat bisher nicht stattgefunden. Stattdessen investieren seine Geldgeber bereits in neue Projekte: Ultraschallgeräte für Afrika. 9) WDR-Fernsehen, Die unerwünschten Töchter – Frauenmangel in Asien – Beitrag vom: 06.02.2019

 

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Ananya Mehra

Ich heiße Ananya, bin 20 Jahre alt und studiere Politikwissenschaft an der LMU. Mir liegen unsere Umwelt und die Schicksale anderer Menschen sehr am Herzen. Deswegen möchte ich hier bei earthlink e.V. einen kleinen Teil zur Verbesserung der Welt beitragen.

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