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Wie unser Safariurlaub dazu beiträgt, dass die lokale Bevölkerung ihre Heimat verliert

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Massai mit Touristen Massai mit Touristen |  Bild: "Maasai" © Ron Hollis [(CC BY-NC 2.0)]  - flickr.com

Massai mit Touristen | Bild: "Maasai" © Ron Hollis [(CC BY-NC 2.0)] - flickr.com

Wie unser Safariurlaub dazu beiträgt, dass die lokale Bevölkerung ihre Heimat verliert

Seit Jahrhunderten leben die Massai als Semi-Nomaden hauptsächlich von der Viehzucht in ihrem Stammesgebiet im Norden Tansanias und Süden Kenias im Einklang mit der Natur. Als 1951 der Serengeti Nationalpark gegründet wurde, forderte man die Massai auf, das Gebiet zu verlassen und sich im angrenzenden Loliondo Wildkontrollgebiet und dem Ngorongoro Schutzgebiet niederzulassen. Die Regierung versprach den Massai im Gegenzug, dass sie unbegrenzt in dieser Gegend siedeln könnten. Dem stimmten die Massai zu und siedelten um. 1) Mongabay: Tanzania’s Maasai losing ground to tourism in the name of conservation, investigation finds: Veröffentlicht am 11.05.2018

Doch die Geschichte zeigt, dass die tansanische Regierung dieses Versprechen immer wieder gebrochen hat und die Massai in ihrer Heimat unter ständiger Angst leben müssen. Immer wieder kam es zu Zwischenfällen zwischen den Massai und den touristischen Interessen der Regierung und der Safarianbieter. Dabei wurden die Indigenen von ihren Dörfern vertrieben, ihre Bomas (traditionelle Hütten) niedergebrannt, der Zugang zu den Wasserlöchern wurde ihnen verwehrt und sogar das Vieh wurde getötet. Tourismus ist bei weitem die wichtigste Einnahmequelle für Tansania und der Serengeti Nationalpark mit seinen angrenzenden Schutzzonen ist die Hauptattraktion des Landes. Dabei missachtet die tansanische Regierung die Landrechte der Massai und vertreibt sie mit hinterlistigen Methoden oft unter dem Deckmantel des Naturschutzes von ihrem Gebiet, um Platz für den Tourismus zu schaffen. 2) Mongabay: Tanzania’s Maasai losing ground to tourism in the name of conservation, investigation finds: Veröffentlicht am 11.05.2018 3) The Guardian: Maasai herders driven off land to make way for luxury safaris, report says: Veröffentlicht am 10.05.2018

Doch für die Massai ist eine Umsiedlung existenzgefährdend, da sie auf die natürlichen Ressourcen der Savanne angewiesen sind, um ihre Tiere und Familien zu ernähren und die Bomas zu bauen. Nicht nur wegen materieller Verbundenheit zur Savanne, sondern auch wegen kultureller Einheit mit ihrer Heimat ist es für die Massai essentiell, den Zugang zu ihrem traditionellen Stammesgebiet zu wahren. Obwohl der Serengeti Nationalpark zum UNESCO Weltkulturerbe gehört und eigentlich im Einklang mit der lokalen Bevölkerung geführt werden sollte, wird auch hier der Profit über die Rechte der Menschen gestellt. 4) Yale Environment 360: Maasai herders lose land to tourism in Tansania, says new report: Veröffentlicht am 11.05.2018 5) Lifegate: Maasai evicted from their lands to make space for trophy tourism in the Serengeti: Veröffentlicht am 09.08.2018

In den letzten Jahren sind vor allem 2 Safarianbieter für ihr Vorgehen gegenüber den Massai ins Visier geraten: Der amerikanische Luxussafarianbieter Thomson Safari und die Ortello Business Corporation, die Jagdsafaris für die königliche Familie von Dubai organisiert. Beide haben das Land mehr oder weniger illegal erworben, jedenfalls ohne dass man sich mit den Massai abgestimmt hat, denen das Land ursprünglich gehörte. Im Zuge dessen wurden 2017 einige Bomas von der Regierung niedergebrannt und 20 000 Massai wurden von ihrem Land vertrieben, wieder unter dem Deckmantel des Naturschutzes. Beide Firmen haben zudem den Massai den uneingeschränkten Zugang zu den Wasserstellen verweigert und es kommt immer wieder dazu, dass sie durch die Polizei vom Land vertrieben werden, wenn sie versuchen, zu den Wasserstellen zu gelangen. Ortello hat auch eine Fluglandebahn mitten in die Savanne gebaut und die königliche Familie von Dubai hat schon mehrfach Jagd auf seltene oder geschützte Tierarten gemacht. 6) Mongabay: Tanzania’s Maasai losing ground to tourism in the name of conservation, investigation finds: Veröffentlicht am 11.05.2018 7) The Guardian: Maasai herders driven off land to make way for luxury safaris, report says: Veröffentlicht am 10.05.2018 8) Yale Environment 360: Maasai herders lose land to tourism in Tansania, says new report: Veröffentlicht am 11.05.2018 9) Lifegate: Maasai evicted from their lands to make space for trophy tourism in the Serengeti: Veröffentlicht am 09.08.2018

Die Massai versuchen sich zu wehren und es stehen noch einige Gerichtsentscheide über die Landnutzung und das Landeigentum aus. Jedoch ist es für sie in den letzten Jahren schwerer geworden, sich in Dürrezeiten über Wasser zu halten, da ihnen der Zugang zu wichtigen Wasserstellen für ihre Herden verweigert wird. Die Massai und die genannten Safarianbieter sind jedoch nur ein Beispiel von vielen, denn überall auf der Welt werden lokale Bevölkerungsgruppen von ihrem Land vertrieben, um Platz für Tourismus zu schaffen. Daher sollten wir uns bei unserer nächsten Reise überlegen, wie wir stattdessen lokale Gemeinschaften unterstützen können und auf Anbieter nachhaltiger Reisen setzen, die mit der lokalen Bevölkerung wirklich zusammenarbeiten. Denn nicht nur die Natur macht Nationalparks so besonders, oft sind es vor allem die Menschen, die schon seit Jahrhunderten dafür sorgen, dass diese Natur nachhaltig erhalten bleibt. 10) Mongabay: Tanzania’s Maasai losing ground to tourism in the name of conservation, investigation finds: Veröffentlicht am 11.05.2018 11) Lifegate: Maasai evicted from their lands to make space for trophy tourism in the Serengeti: Veröffentlicht am 09.08.2018

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Benita / earthlink

Ich arbeite ehrenamtlich in den Projekten "Fluchtgrund" und "Aktiv gegen Kinderarbeit" mit. Studiert habe ich African Studies with Development und World Heritage Studies und arbeite seit Ende meines Studiums in der Flüchtlingshilfe.

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