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Wie europäische Agrar – Subventionen weltweit Armut verursachen

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  Bild: © Zermie [(CC BY-NC-ND 2.0) ]  - flickr.com

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Wie europäische Agrar – Subventionen weltweit Armut verursachen

Früher war die europäische Agrarpolitik stark reglementiert. Um das Jahr 2000 jedoch sollte die europäische Agrarwirtschaft dem Weltmarkt geöffnet werden und im Zuge dessen wurden die Agrar- und Finanzmärkte liberalisiert. Das heißt Handelsbeschränkungen wie Zölle und auch Mengenbeschränkungen wurden abgebaut. Seitdem erhalten Landwirte Direktzahlungen, die an die Betriebsgröße gebunden sind und dürfen produzieren, was und wie viel sie möchten. Die Direktzahlungen aus Brüssel machen zurzeit 40 Prozent des europäischen Haushaltes aus und belaufen sich auf 45 Milliarden Euro jährlich. 1) Telepolis: Unsere Überschüsse machen uns kaputt: Veröffentlicht am 14.04.2018 2) Süddeutsche Zeitung: EU- Importe torpedieren Afrikas Wirtschaft: Veröffentlicht am 29.12.2016

Das Beispiel der Milch zeigt wie sich die Liberalisierung und Subventionierung der Agrarwirtschaft sowohl auf europäische wie auch auf ausländische Märkte auswirkt. Zu Beginn der 80er Jahre wurde die Milchquote eingeführt, um die Überproduktion zu stoppen. Jedem Mitgliedsstaat wurde eine feste Produktionsquote zugeteilt, die dann auf die einzelnen milcherzeugenden Betriebe weiterverteilt wurde. Ein Überschreiten der Quote wurde stark sanktioniert und somit wirtschaftlich unrentabel. So konnten die Preise relativ stabil gehalten werden, bis die Milchquote 2015 abgeschafft wurde. 3) Telepolis: Unsere Überschüsse machen uns kaputt: Veröffentlicht am 14.04.2018

Während der Preis Ende 2013 noch bei 42 Cent pro Kilo lag, sank er bis 2015 auf 28 Cent pro Kilo und somit um 33 Porzent. Dieser Marktverfall führte wiederum dazu, dass die Bauern mehr Milch produzieren mussten, um überleben zu können, viele jedoch auch den Betrieb einstellten. Die Betriebe, die am Ende übrig blieben, wurden immer größer und da die Agrarsubventionen an die Betriebsgröße gebunden sind, können größere Betriebe nicht nur mehr, sondern auch billiger produzieren. Somit steht die Kopplung der Agrarsubventionen an die Betriebsgröße in direktem Zusammenhang mit der Entstehung von Agrarkonzernen und dem allgemeinen Preisverfall für Bauern. 4) Vet-Consult: Bio- Milchpreis weiter im Höhenflug: Veröffentlicht am 18.09.2015 5) Telepolis: Unsere Überschüsse machen uns kaputt: Veröffentlicht am 14.04.2018

Weil die europäische Überproduktion in der Landwirtschaft auch genug Abnehmer finden musste, wurden im Zuge der Liberalisierung Märkte in anderen Ländern der Welt erschlossen. Da aber viele ärmere Staaten es sich nicht leisten können, die eigenen landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu subventionieren, sind die europäischen Produkte billiger als die lokal produzierten. So kommt es dazu, dass eine 10-Kilo-Box Hähnchenschenkel aus den Niederlanden auf dem Markt in Ghana 19 Euro kostet, während ein lokales 5-Kilo Lebendhuhn 11 Euro kostet und somit am Ende viel teurer ist. 6) Telepolis: Unsere Überschüsse machen uns kaputt: Veröffentlicht am 14.04.2018 7) Süddeutsche Zeitung: EU- Importe torpedieren Afrikas Wirtschaft: Veröffentlicht am 29.12.2016

So ging 2016 auch ein Viertel der deutschen Weizenproduktion nach Afrika sowie tonnenweise Milchpulver. Die billigen europäischen Agrarprodukte zerstören in anderen Ländern lokale Märkte und die Bauern und Viehbesitzer verlieren ihre Lebensgrundlage. In vielen Gegenden, in denen immer noch ein Großteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebt, ist dies besonders verheerend und ganze Familien verlieren ihre Ernährungssicherheit. Milchpulver, das unter anderem auch aus Europa kommt, hat in Kamerun einen Marktanteil von 50 Prozent und der daraus hergestellte Joghurt kostet nur ein Drittel dessen, was der Joghurt aus heimischer Milch kostet. Die europäischen Produkte können jedoch nur billiger angeboten werden, weil sie von der EU subventioniert werden und somit zu einem Preis unterhalb der realen Kosten vertrieben werden können. 8) ZDF- Zoom: Der Wahnsinn mit dem Weizen: Stand 21.01.2019 9) Misereor: Das Milchpulver ist zu billig: Veröffentlicht am 15.07.2015 10) Telepolis: Unsere Überschüsse machen uns kaputt: Veröffentlicht am 14.04.2018 11) Zeit online: Ein Mann pflückt gegen Europa: Veröffentlicht am 30.12.2015 12) Süddeutsche Zeitung: EU- Importe torpedieren Afrikas Wirtschaft: Veröffentlicht am 29.12.2016

Die lokalen Bauern, die durch den Preisverfall vom Markt verdrängt werden, verlieren ihre Existenzgrundlage und bangen ums Überleben. Sie müssen ihre Höfe verlassen, ziehen in die Slums am Rande der Städte, machen sich abhängig von Lebensmittelhilfslieferungen oder machen sich auf den Weg nach Europa, auf der Suche nach einer zukunftsfähigen Chance. So tragen die europäischen Agrarsubventionen direkt dazu bei, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen und als Flüchtlinge nach Europa kommen. 13) ZDF- Zoom: Der Wahnsinn mit dem Weizen: Stand 21.01.2019 14) Zeit online: Ein Mann pflückt gegen Europa: Veröffentlicht am 30.12.2015

In Europa angekommen arbeiten viele Flüchtlinge dann in der Landwirtschaft als Erntehelfer und ernten die Agrarprodukte, die dazu beigetragen haben, dass sie ihre Heimat verlassen mussten und viele nach ihnen dasselbe Schicksal ereilen wird. So entsteht quasi ein Kreislaufsystem, das gewisse Abhängigkeiten schafft. Denn auch die europäische Landwirtschaft braucht die unterbezahlten Arbeitskräfte, die nach Europa geflüchtet sind, um überhaupt große Mengen für den Export zu produzieren. Die billigen Agrarprodukte zerstören dann wiederum lokale Märkte im Ausland und sichern so einen ständigen Fluss mittelloser Flüchtlinge nach Europa, die dann als billige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft ausgebeutet werden können. So schließt sich letztendlich der paradoxe Kreislauf der europäischen Agrarpolitik. 15) Zeit online: Ein Mann pflückt gegen Europa: Veröffentlicht am 30.12.2015 16) Tagesschau: EU- Millionen für Ausbeuter: Stand 21.01.2019

Die europäischen Agrarsubventionen tragen weltweit dazu bei, dass Menschen ihre Existenzgrundlage verlieren und verarmen. Auch in Europa hat sie vielen Bauern geschadet und sie in den Ruin getrieben, weil sie dem Konkurrenzkampf nicht standhalten konnten. Zudem hat die Liberalisierung der Märkte zwar zu Kostenersparnissen und schier unendlicher Auswahl für die Verbraucher geführt, doch kam dies oft auf Kosten der Umwelt oder der Menschen, die die Produkte produzieren. 17) Telepolis: Unsere Überschüsse machen uns kaputt: Veröffentlicht am 14.04.2018

Wenn es nach der EU ginge, würden die afrikanischen Märkte bald mit noch mehr billigen Produkten überschwemmt werden und diese Forderung wird von den Politikern meist an die Zahlung von Entwicklungshilfegeldern gekoppelt. So nutzt die EU ihre Machtstellung aus, andere Staaten dazu zu bewegen, europäische Interessen durchzusetzen. Im Sinne der nachhaltigen Entwicklung und des Sustainable Development Goals Nummer 17, dass zu globalen Partnerschaften auffordert, muss die EU aufhören ihre Machtstellung auszunutzen. Stattdessen muss die Europäische Gemeinschaft dazu übergehen, partnerschaftliche und faire Handelsabkommen mit anderen Staaten auszuhandeln und im Zuge dessen Abhängigkeiten vermeiden und lokale Märkte stärken. Nur so können Ungleichheiten abgebaut werden und schwächere Länder ihre Wirtschaft und den Lebensstandard der Bevölkerung vorantreiben. 18) ZDF- Zoom: Der Wahnsinn mit dem Weizen: Stand 21.01.2019

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Benita Wehle

Ich arbeite ehrenamtlich in den Projekten "Fluchtgrund" und "Aktiv gegen Kinderarbeit" mit. Studiert habe ich African Studies with Development und World Heritage Studies und arbeite seit Ende meines Studiums in der Flüchtlingshilfe.

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