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Äthiopien – Wie Ressourcenknappheit alte Konflikte wieder aufflammen lässt

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Dürre in Äthiopien Bereits 2006 suchte eine verheerende Dürreperiode die Oromia-Region in Äthiopien heim |  Bild: © Andrew Heavens [CC BY-NC-ND 2.0]  - flickr

Bereits 2006 suchte eine verheerende Dürreperiode die Oromia-Region in Äthiopien heim | Bild: © Andrew Heavens [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Äthiopien – Wie Ressourcenknappheit alte Konflikte wieder aufflammen lässt

Seit April 2018 wurden in der südlichen Gedeo und West-Guji Region in Äthiopien circa 1 000 000 Menschen aus ihren Heimatdörfern vertrieben. Der Konflikt ist bisher kaum in den internationalen Medien wahrgenommen worden und die Lage vor Ort ist wegen fehlender internationaler Unterstützung besonders prekär. 1) Reliefweb: Ethiopia: A massive crisis off the international radar: Veröffentlicht am 19.07.2018 2) Reliefweb: IOM identifies 970 000 displaced people in Ethiopia´s Gedeo, West Guji since April: Veröffentlicht am 20.07.2018

Die meisten sind bei der lokalen Bevölkerung vor Ort untergekommen oder haben Zuflucht in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden gesucht. Jedoch sind nicht genug Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden und viele schlafen auf der Straße. Auch an Essen und sauberem Trinkwasser sowie sanitären Anlagen mangelt es. Zudem beginnt bald die Regenzeit. Dies könnte die Lage noch weiter verschlimmern, wenn Krankheiten ausbrechen und der Zugang zu den Betroffenen durch unterspülte Straßen erschwert wird. 3) Reliefweb: IOM identifies 970 000 displaced people in Ethiopia´s Gedeo, West Guji since April: Veröffentlicht am 20.07.2018 4) Norwegian Refugee Council: Insecurity forces 978 000 Ethiopians to flee their homes: Veröffentlicht am 28.06.2018

Schon seit 2008 wird Äthiopien von periodischen Dürren heimgesucht, die in einigen Landesteilen seit 2015 anhalten. Dadurch waren in den letzten Jahren rund ein Fünftel der Bevölkerung vom Hunger bedroht und jedes Vierte Kind gilt als unterernährt. Viele Bauern und Viehzüchter haben ihre Lebensgrundlage verloren. Agrarexperten warnen schon lange vor einer Versorgungslücke in Äthiopien, die durch die weniger produktive Landwirtschaft und das anhaltende Bevölkerungswachstum entsteht. Viele Menschen im ostafrikanischen Staat leben noch immer als Nomaden oder selbstversorgende Bauern und sind daher besonders hart von der anhaltenden Dürre betroffen. 5) Spiegel Online: Dürre in Äthiopien: Später Regen: Veröffentlicht am 11.05.2016

Die Trockenheit hat auch dazu beigetragen, dass sich ein uralter Streit zwischen den Stämmen der Guji- Oromo und den Gedeo wieder neu entfachte und so fast eine Millionen Menschen zu Vertriebenen im eigenen Land machte. Denn wenn die Ressourcen knapp sind, kann aus einem Streit über Nutzungsrechte und dem Grenzverlauf schnell ein blutiger Krieg werden. 6) Church Times: Ethiopians suffer as ethnic groups clash: Veröffentlicht am 20.07.2018

Die Gedeo und die Guji-Oromo leben schon seit Jahrhunderten als Nachbarn im südlichen Äthiopien, doch als 1895 die südlichen Provinzen mit den nördlichen Zusammengeschlossen wurden, kam es unter den Gedeo zu Aufständen und daraufhin wurden die Gedeo zu sogenannten „Gebbars“, landwirtschaftliche Sklaven, degradiert. Gebbars hatten kaum Rechte und auch das soziale Leben wurde von dem „Besitzer“ bestimmt. Somit hatten die Gedeo in der weiteren Geschichte Äthiopiens einen sehr niedrigen Stellenwert und wurden oft unfair behandelt. Auch 1920, als die landwirtschaftlichen Flächen neu vermessen wurden, verloren die Gedeo viel Land an die Regierung und viele mussten ihre Dörfer verlassen. 7) Asebe Regassa Debelo: Ethnicity and inter- ethnic relations: The Ethiopian experimentand the case of the Guji and the Gedeo: Veröffentlicht Frühling 2007

Als dann 1987 das damalige Militärregime die Grenzen der äthiopischen Provinzen neu formte, wurde ein Teil der Guji-Oromo Gebiete an die Gedeo Provinz angegliedert. Somit waren die Guji-Oromo auf zwei Provinzen verteilt und fühlten sich durch die Gedeo dominiert und diskriminiert. Weil die Gedeo besser gebildet waren als die Guji- Oromo, beherrschten sie die politischen Ämter und andere Verwaltungspositionen. Diese Dominanz hält bis heute an und aus früheren Sklaven wurde die herrschende Elite. 8) Asebe Regassa Debelo: Ethnicity and inter- ethnic relations: The Ethiopian experimentand the case of the Guji and the Gedeo: Veröffentlicht Frühling 2007

Dieser künstlich erschaffene Herrscher bzw. Untertanenstatus zwischen den beiden Stämmen hatte schon 1995 zu einer blutigen Auseinandersetzung geführt. Jedoch schlummert der Konflikt seitdem, aber da sich der Status der zwei Stämme bis heute nicht geändert hat, war es jederzeit möglich, dass externe Auslöser einen neuen Konflikt befeuern. So hat die jahrelange Dürre und die Ressourcenknappheit dazu geführt, dass sich der Streit zwischen den beiden Stämmen wieder aufheizte und viele Äthiopier ihre Dörfer verlassen mussten. 9) Norwegian Refugee Council: Insecurity forces 978 000 Ethiopians to flee their homes: Veröffentlicht am 28.06.2018  10) Asebe Regassa Debelo: Ethnicity and inter- ethnic relations: The Ethiopian experimentand the case of the Guji and the Gedeo: Veröffentlicht Frühling 2007

Ressourcenknappheit ausgelöst durch den Klimawandel kann blutige Konflikte auslösen, wie der aktuelle Konflikt in Äthiopien zeigt. Denn wenn die Menschen hungern, wird der Unmut über die Aufteilung der Flächen wieder wach. Doch für den Klimawandel sind vor allem die westlichen Staaten verantwortlich, obwohl das größte Leid bisher meist von anderen getragen werden musste. Als Europäer liegt es in unserer Verantwortung die Politik zu drastischeren Maßnahmen aufzufordern, damit es nicht noch mehr Klimaflüchtlinge geben wird.

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Über

Ich arbeite ehrenamtlich in den Projekten "Fluchtgrund" und "Aktiv gegen Kinderarbeit" mit. Studiert habe ich African Studies with Development und World Heritage Studies und arbeite seit Ende meines Studiums in der Flüchtlingshilfe.

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