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Reedereien aus Industrienationen lassen ihre Schiffe mit enormen sozialen und ökologischen Kosten in Asien verschrotten

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 Der Schiffsfriedhof in Chittagong.  |  Bild: © Adam Cohn  [(CC BY-NC-ND 2.0)]  - flickr

Der Schiffsfriedhof in Chittagong. | Bild: © Adam Cohn [(CC BY-NC-ND 2.0)] - flickr

Reedereien aus Industrienationen lassen ihre Schiffe mit enormen sozialen und ökologischen Kosten in Asien verschrotten

Während der Kreuzfahrttourismus boomt, steckt die Container-Schifffahrt weiter in der Krise. Um wenigsten noch etwas Geld zu retten, lassen viele Reedereien ihre Schiffe verschrotten. Doch ein großer Teil wird nicht in den Industrienationen selbst demontiert, sondern landet zum Abwracken vor den Küsten Indiens, Pakistans und Bangladeschs. Und das mit verheerenden Auswirkungen für die Umwelt und die einheimische Bevölkerung. Denn in diesen Ländern existieren kaum Umwelt- und Sozialstandards in der Branche. Somit verschmutzen die Reedereien nicht nur durch auslaufenden Diesel, Chemikalien im Schiffsanstrich, CO2 oder den im Meer entsorgten Müll unser Ökosystem. Die ausländischen Unternehmen verursachen auch durch die nicht ordnungsgemäße Verschrottung der Schiffe hohe ökologische und soziale Kosten in anderen Ländern. 1) Umwelt Bundesamt: Seeschifffahrt; Stand: 22.05.2018

Einer dieser Staaten  ist Bangladesch. Vor den Toren der Stadt Chittagong liegen auf 12 Kilometer rund 80 Schiffwracks am Strand und werden von Hand verschrottet. Der Schiffsfriedhof hat zwar viele Arbeitsplätze geschaffen, doch zu einem hohen Preis. Denn die für das Abwracken zuständigen Unternehmen müssen weder Umweltvorschriften noch Arbeitsrechtsregeln beachten. So werden bei der Demontage der Ozeanriesen giftige Stoffe wie Schweröl, Asbest und Quecksilber freigesetzt. Diese können ungehindert versickern und verseuchen den Strand, das Wasser, die Fische sowie letztendlich auch die Bevölkerung. Die Kinder spielen nämlich weiterhin im Meer und Fisch ist ein wichtiges Nahrungsmittel in Bangladesch. Außerdem kommt es immer wieder zu Unfällen und nicht wenige Arbeiter verlieren sogar ihr Leben. In Chittagong beispielsweise sterben jedes Jahr rund 20 Angestellte auf Grund nicht vorhandener Sicherheitsmaßnahmen. Nicht selten kommt es zu Explosionen in den Wracks oder es stürzen Stahlteile hinunter und auch Schutzkleidung tragen die Arbeiter keine. Sie riskieren somit täglich ihr Leben – und das für einen Lohn von 6,50 Euro für eine 12-Stunden-Schicht. 2) National Geographic: Schiffe verschrotten in Bangladesch; Stand: 24.05.2018 3) Plus minus: Abgewrackt in Bangladesch. Schmutzige Spuren deutscher Schifffonds – nicht mehr verfügbar Ähnliche Szenen spielen sich beispielsweise auch im indischen Alang, dem größten Schiffsfriedhof der Welt, ab. 4) Handelsblatt: Verschrottung am Strand von Alang; Stand: 24.05.2018

Für die ausländischen Reedereien ist es jedoch ein gutes Geschäft. Denn anders als in Bangladesch, Indien und Pakistan ist das Abwracken in den Industrienationen teuer und die Recyclingunternehmen müssen strenge Regelungen einhalten. Da die meisten Reedereien jedoch vor allem Profit machen wollen, verkaufen sie ihre Schiffe an Verschrottungsbetriebe in den drei asiatischen Ländern. So landeten dort 2016 circa 100 Schiffe alleine aus Deutschland. 5) Plus minus: Abgewrackt in Bangladesch: Schmutzige Spuren deutscher Schifffonds – nicht mehr verfügbar Und das obwohl bereits internationale Abkommen wie die Honkong-Konvention und EU-Vorschriften zum ordnungsgemäßen Recyceln von Schiffen existieren. Doch diese Verträge sind meist freiwillig, noch nicht in Kraft oder lassen den Reedereien Schlupflöcher. Somit müssen sie ihre Ozeanriesen nur umflaggen oder in ausländischen Häfen an Mittelsmänner, sogenannte „Cash Buyer“, verkaufen und schon greifen die Regelungen nicht mehr. 6) Deutsche Verkehrs-Zeitung: Schiffeverschrotten und die EU; Stand: 24.05.2018

Und nicht nur Schiffe werden im Globalen Süden mit hohen sozialen und ökologischen Kosten entsorgt. Auch unser Giftmüll und Elektroschrott vergiften die Bevölkerung und Umwelt in Ghana, Somalia sowie anderen Ländern.

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Veronica Seitz

Hallo, ich heiße Veronica und studiere im 7. Semester Deutsch-Französische Politikwissenschaft an der Universität Eichstätt-Ingolstadt. Ich interessiere mich sehr für den Bereich Entwicklungszusammenarbeit und freue mich deshalb, mit meinem Praktikum bei earthlink e.V. einen Einblick in die praktische Arbeit einer entwicklungspolitischen NGO bekommen zu können.

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