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UNO warnt vor Völkermord in Zentralafrikanischer Republik

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Zentralafrikanische Flüchtlinge am Flughafen von Bangui Zentralafrikaner in einem Flüchtlingslager der Hauptstadt Bangui um sich vor Gewalt und Zerstörung ihres Landes zu schützen |  Bild: © U.S. Air Force [Public Domain]  - Wikimedia Commons

Zentralafrikaner in einem Flüchtlingslager der Hauptstadt Bangui um sich vor Gewalt und Zerstörung ihres Landes zu schützen | Bild: © U.S. Air Force [Public Domain] - Wikimedia Commons

UNO warnt vor Völkermord in Zentralafrikanischer Republik

Wenn man Sie nach dem ärmsten Land der Welt fragt, würden Sie spontan an die Zentralafrikanische Republik denken? Platz 188, der letzte Platz, das ist der Rang, den die ZAR derzeit beim Human Development Index belegt. Zudem tobt dort seit 2013 ein blutiger Bürgerkrieg, wegen dem die Zivilbevölkerung großes Leid erdulden muss. Trotzdem sind der Bürgerkrieg und die Armut der Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik kaum bekannt. Man könnte sagen, die Katastrophe im Herzen Afrikas taucht in großen Teilen des öffentlichen Bewusstseins fast gar nicht auf. Doch nun warnt die UNO vor einem bevorstehenden Völkermord. 1) UNO Flüchtlingshilfe: Zentralafrikanische Republik, Die vergessene Katastrophe; nicht mehr verfügbar 2) Human Development Index; Stand vom 10.08.17

Die Frage, die sich zwangläufig stellt ist, wie es überhaupt zu solch einer Eskalation der Gewalt kommen konnte und eine Spur führt direkt nach Europa. Seit der Unabhängigkeit von der früheren Kolonialmacht Frankreich 1960 wird das Land immer wieder von Bürgerkriegen, Putschen sowie religiösen und ethnisch motivierten Kämpfen heimgesucht. Den Anfang der neuesten blutigen Kämpfe 2013 markiert der Sturz des damaligen christlichen Präsidenten François Bozizé durch die sogenannten „Seleka“ –  einer muslimischen Rebellenallianz. Daraufhin wurde von Christen die „Anti-Balaka-Miliz“ gegründet. Beide Gruppen begannen einen blutigen Kampf, der bis heute kein Ende genommen hat. Dabei geht es weniger um die religiösen Differenzen der beiden Gruppen, als vielmehr um Macht und Geld. Die ZAR versinkt also im Kriegschaos und es kommt immer wieder zu Plünderungen, Vergewaltigungen und Morden. Finanziert werden diese Kämpfe vor allem durch den Verkauf von Rohstoffen. Obwohl das Land reich an Bodenschätzen ist, ist die Bevölkerung bettelarm. Vom Export der Diamanten und tropischen Hölzer profitieren nur die gewaltbereiten Milizen, denn diese kontrollieren die Rohstoffvorkommen im Land. Der Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik ist also ein profitables Geschäftsmodell. Und zu den besten Kunden der Kriegsparteien zählt auch Europa. Der Großteil der Exporte landet nämlich auf dem europäischen Markt, was wiederum bedeutet, dass europäische Konzerne durch den Rohstoffhandel maßgeblich den Bürgerkrieg in der ZAR mitfinanzieren und somit am Leben erhalten. Der befürchtete Völkermord wäre also auch ein Produkt der Konsumgesellschaft und der Profitgier europäischer Konzerne. Aber nicht nur die Konzerne sind dabei in die Pflicht zu nehmen, sondern auch die Verbraucher. Denn die Nachfrage bestimmt bekanntermaßen das Angbot. 3) Augsburger Allgemeine: Die vergessene Krise; Artikel vom 23.01.17 4)The Observatory of Economic Complexity: What does the Central African Republic export?; Stand vom 10.08.17 5) Quartz Africa: The blood diamond trade is tearing the Central African Republic apart; Artikel vom 30.09.15

Im April 2014 beschlossen die Vereinten Nationen schließlich die Stabilisierungsmission „Minusca“ und entsandten Soldaten und Polizisten in das afrikanische Land. Die Rund 13.000 Blauhelme, die in der ZAR stationiert sind, schaffen es bis heute nicht, die Probleme im Land ansatzweise in den Griff zu bekommen. Auch die ersten mehr oder weniger freien Wahlen seit 40 Jahren die 2016 folgten, konnten das Land nicht stabilisieren. Der neue Präsident Faustin Archange Touadéra hat in einem Staat ohne funktionierende Infrastruktur kaum Macht und Einflussnahme, kurz gesagt er ist so gut wie nicht regierungsfähig. Der Staatsaufbau der Zentralafrikanischen Republik existiert nur auf dem Papier, in der Realität ist er aber unmöglich umzusetzen. Es mangelt an Personal und finanziellen Mitteln. Einen funktionierenden Staat aufzubauen scheint für den Präsidenten im Moment nicht möglich und so haben die übermächtigen Milizen die Kontrolle in weiten Teilen des  Landes und setzen ihre  Gewaltherrschaft weiter fort. 6) Die Zeit: Warum ist das ärmste Land der Welt so arm?; Artikel vom 30.03.17

Nun warnt die UNO, dass die jüngsten Gewaltausschreitungen im Land auf einen drohenden Genozid hinweisen und fordert eine Ausweitung der Friedensmission. Beispielsweise berichtet „Ärzte ohne Grenzen“,  wie in einem Krankenhaus in der Stadt Zemio bei einem Angriff zweier bewaffneter Männer auf eine Familie ein Baby, das im Arm seiner Mutter gehalten wurde, gnadenlos erschossen wurde. Angriffe wie diese häufen sich und verdeutlichen die wachsende Brutalität und unverhohlene Skrupellosigkeit der Milizen. Ein Fünftel der Gesamtbevölkerung der Zentralafrikanischen Republik wurde schon zur Flucht gezwungen und ein Großteil leidet unter einer immensen Mangelernährung. 481.000 Menschen mussten die Zentralafrikanische Republik bereits verlassen und auch die Anzahl der Binnenflüchtlinge ist mit 503.000 erschreckend hoch. 7) Ärzte ohne Grenzen e.V. : Baby in Krankenhaus getötet – Vorfall verdeutlicht extreme Brutalität im Land; Artikel vom 11.07.17 8) The UN Refugee Agency: CAR Situation; Stand vom 30.06.17

Erst wenn die westliche Welt endlich mehr Bewusstsein für die Situation in der zentralafrikanischen Republik entwickelt und auch die eigene Verantwortung für diesen blutigen Krieg erkennt und ihr Verhalten ändert, gibt es eine Chance, die Lage im Land zu verbessern. Ansonsten kommt es weiter zu etlichen Gräueltaten und im schlimmsten Fall, wie von der UNO vorhergesagt, zu einem Völkermord an den Einwohnern der Zentralafrikanischen Republik. Angesichts der Ähnlichkeit mit der heutigen Situation muss auf den Völkermord in Ruanda Mitte der 90er Jahre hingewiesen werden. Damals fand eine Friedensmission der Vereinten Nationen in Ruanda statt. 1994 kam es zur Auslöschung eines gesamten Volkes, nämlich der Tutsi-Minderheit. Dieser Völkermord geschah nicht plötzlich. Die Chefs der Friedensmission wurden sogar wörtlich vor einer „Vernichtung“ der Tutsi gewarnt, doch gehandelt wurde nicht. Die Weltgemeinschaft sah weg und die Vereinten Nationen versagten komplett. Es ist nur zu hoffen, dass die Vereinten Nationen aus diesem schwerwiegenden Fehler gelernt haben und mit den Ereignissen in der Zentralafrikanischen Republik anders umgehen. 9) Süddeutsche Zeitung: Chronik des Versagens; Artikel vom 06.04.17

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

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Zurzeit studiere ich Politikwissenschaft an der LMU in München. Um meine freie Zeit in den Semesterferien sinnvoll zu nutzen, engagiere ich mich bei earthlink für eine gerechtere und nachhaltigere Welt.

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