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Syrien: Drohnenabschuss schürt Kalten Krieg im Nahen Osten

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Bombenabwurf Luftangriff Syrien |  Bild: © Ivan Cholakov - Dreamstime

Luftangriff Syrien | Bild: © Ivan Cholakov - Dreamstime

Syrien: Drohnenabschuss schürt Kalten Krieg im Nahen Osten

Beinahe täglich werden wir durch die Medien mit Neuigkeiten über die verheerende Lage in Syrien konfrontiert. Es ist das Land, das in den letzten Jahren mit Abstand die meisten Flüchtlinge hervorgebracht hat. Man geht derzeit von circa 5,5 Millionen Menschen aus. 1) Tagesspiegel: Weltflüchtlingstag-65,6 Millionen Menschen auf der Flucht; Artikel vom 20.06.17

Mittlerweile dauert der Krieg zwischen der syrischen Regierung, den Oppositionellen und Islamisten schon länger als der Zweite Weltkrieg. Dennoch macht es den Anschein, als würde sich die Lage nicht im Geringsten verbessern. Überwiegend fliehen die Einheimischen vor Bombenangriffen des Regimes von Baschar al Assad. Abgesehen davon stehen schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen des „ Islamischen Staats“ oder anderer islamistischer Milizen an der Tagesordnung. Viele, denen die Flucht bislang nicht geglückt ist, irren ohne feste Bleibe und Schutz durchs eigene Land. Hierbei handelt es sich in etwa um sechs Millionen Menschen.

In der Provinz Dai ras-Saur, die größtenteils unter der Kontrolle von Islamisten steht, verschlechtert sich die Lebenslage der 600.000 Syrer zunehmend. Die UN- Nothilfekoordination berichtet, dass der Polio-Virus ausgebrochen ist und schon mindestens 58 Menschen erkrankt sind. Auch unter der Bezeichnung Kinderlähmung bekannt, wird der Polio-Virus oral, vor allem über Husten, Speichel oder verunreinigte Getränke übertragen. Die Versorgung mit Medikamenten und Nahrung in der Provinz ist mangelhaft. Dementsprechend ist kein Zugriff auf den Impfstoff, der gegen den Virus existiert, möglich. Mehr als 40 Tage ist es her, dass ein Konvoi zu den Menschen in den belagerten Gebieten durchgedrungen ist. Die einzige Versorgungsmöglichkeit ist derzeit die aus der Luft. 2)T-online: Dutzende erkranken an gefährlichem Virus; Artikel vom 15.06.17

Die neuesten Entwicklungen könnten diese übrig gebliebene Möglichkeit zur Versorgung der Menschen jedoch weiter erschweren. Am vergangenen Sonntag wurde im Südosten Syriens in der Region der umkämpften Stadt Raqqa ein iranisches Flugobjekt von einem US-Kampfjet abgeschossen. Angeblich hatte die bewaffnete Drohne feindliche Absichten gezeigt und sei auf einen Bündnisstützpunkt zugeflogen, teilte die US-geführte Anti- IS- Koalition in einer Stellungnahme mit. Im syrischen Bürgerkrieg unterstützt der Iran die Seite des Präsidenten Baschar al-Assad, ebenso wie Russland. Der Abschuss dieser Drohne heizt die bestehenden Spannungen zwischen Washington und Moskau weiter an. 3) Focus Online: Russland wirft USA Terror-„Mittäterschaft“ vor; Artikel vom 20.06.17

Die Ankündigung Russlands, den Luftraum aufzuteilen, ist zugleich eine Drohung. Künftig müssen fremde Flugzeuge, die westlich des Flusses Euphrat operieren, damit rechnen, vom russischen Militär abgeschossen zu werden. Diese Reaktion verdeutlicht die immer prekärer werdende Lage.  Der Ausstieg Moskaus aus dem Abkommen mit Washington über eine gemeinsame Vermeidung von Luftzwischenfällen zeigt deutlich, wie ernst die Situation ist.

Offiziell ist der gemeinsame „Gegner“, den die beiden Großmächte bekämpfen, die Terrormiliz „ Islamischer Staat“. Betrachtet man die aktuellen und vergangenen Vorgehensweisen genauer, wird deutlich, dass die Terroristen der einen Großmacht die Freiheitskämpfer der anderen verkörpern.

Die Bomben, die Russland seit dem 30. September über Syrien abgeworfen hat, trafen weitgehend den Westen des Landes. Vorwiegend waren Regionen betroffen, in denen der IS keine nachweisbare Tätigkeit aufzeigte. Russland unterstützt durch die Angriffe weitgehend die Kämpfer Baschar al-Assads, die gegen die syrische Opposition vorgehen. Dementsprechend handelt sich es bei den offiziellen Manövern zur „Bekämpfung des gemeinsamen Gegners“ eigentlich um direkte Angriffe auf die syrischen Rebellen, da diese für Diktator Assad, den Verbündeten Russlands, die größere Gefahr darstellen. Rückblickend galten von den 45 Angriffen Russlands in etwa ein Drittel dem IS – zwei Drittel jedoch der Bekämpfung syrischer Rebellen. 4) Spiegel Online: Immer tiefer drin; 04.05.17

Während seines Wahlkampfes betonte US-Präsident Trump, die amerikanische Präsenz in Syrien zurückzuschrauben. Jedoch scheint sich die USA immer mehr in den Bürgerkrieg zu verstricken und eigene Ziele zu verfolgen. Die US-Kampfjets bombardieren den Osten und Norden des Landes und dienen vor allem zur Unterstützung der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Hierbei handelt es sich um Regionen, über die die syrische Regierung schon seit langem die Kontrolle verloren hat. Langfristig betrachtet könnte die US-Armee in diesen Landesteilen zur Ordnungsmacht werden und wäre dann dafür verantwortlich, Konflikte zwischen arabischen und kurdischen Milizen zu verhindern. 5) Spiegel Online: Immer tiefer drin; 04.05.17

Dementsprechend gelten die Luftangriffe der USA nicht nur der Zerschlagung der Terrormiliz IS, sondern sind Teil eines größeren Ziels, nämlich den amerikanischen Einfluss im Nahen Osten zu erweitern. Der Terrormiliz geht es vorwiegend darum, Gebiete zu erobern und ein Kalifat aufzubauen. Zur Umsetzung dieses Plans war das Einnisten in den syrischen Bürgerkrieg ein kluger Schachzug.

Die Internationalisierung des Konflikts in Syrien setzt sich weiter fort. Verhandlungen über Deeskalationszonen und die Aufteilung von Regionen, in denen Fahrzeuge unter verschiedenen Flaggen patrouillieren, sind in vollem Gange. Aber es verhandeln nicht die syrische Regierung und die Opposition, sondern die beiden Großmächte. Der Stellvertreterkrieg ist in vollem Gange. 6)Spiegel Online: Die Gefahr liegt in der Luft; Artikel vom 21.06.17

Beide Parteien nehmen also Einfluss auf den Krieg, indem sie unterschiedliche Seiten durch ihr Eingreifen unterstützen und halten ihn somit am Leben. Die eigennützigen Ziele, die jedes Land verfolgt und die Luftschläge, die beide Seiten immer wieder anordnen, führen nicht zum Ende, sondern zur Eskalation des Syrien-Krieges. Solange es zwischen den USA und Russland zu keiner Einigung kommt und ein gemeinsames Ziel im Mittelpunkt steht, wird es keinen Frieden geben. 7) RT Deutsch: Solange es zwischen den USA und Russland zu keiner Einigung kommt und ein gemeinsames Ziel im Mittelpunkt steht, wird es keinen Frieden geben.; Artikel vom 19.06.17

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