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Somalia: Tote Tiere und tote Kinder – Die Opfer des Klimawandels

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(c) Sadikgulec | Dreamstime.com Verunreinigtes Wasser |  Bild: © Sadikgulec - Dreamstime.com

Verunreinigtes Wasser | Bild: © Sadikgulec - Dreamstime.com

Somalia: Tote Tiere und tote Kinder – Die Opfer des Klimawandels

Ausgetrocknete Landschaften, von Tierkadavern übersät, Brunnen ohne einen Tropfen Wasser, Luft, die so heiß und trocken ist, dass das Atmen schwer fällt – so ist die Lage in Somalia. Das massive Tiersterben und die ausfallenden Regenfälle sind Anzeichen einer zehrenden Dürre und der daraus resultierenden Hungersnot im Land. Die Hungerkatastrophe, die 2011 das Land erschüttert hatte scheint sich zu wiederholen. Damals starben 260.000 Menschen, die Hälfte der Opfer waren Kinder unter fünf Jahren. Häufig sterben die Kinder aber nicht am Hunger selbst, sondern an den damit einhergehenden Krankheiten.

Eine der meistverbreiteten Durchfallerkrankungen ist Cholera. Hierbei handelt es sich um Erreger, die durch verunreinigtes Wasser oder Nahrung übertragen werden können. Ohne Behandlung der Krankheit verliert der Körper sehr schnell zu viele Elektrolyte, was den Tod zur Folge haben kann. Seit Anfang des Jahres 2017 wurden rund 32.000 Fälle von Cholera gemeldet. Laut der WHO (Weltgesundheitsorganisation) sind seither mindestens 618 Menschen in Somalia an Cholera gestorben.

Bei der Hungerkatastrophe 2011 wurde früh vor den Folgen der Dürre und des Hungers gewarnt. Es wurde aber zu spät zu wenig unternommen, um das Sterben zu verhindern und die Menschen vor Ort zu impfen. Wiederholt sich dieses „Sterben Lassen“ 2017? Zwar sollen Laut WHO eine halbe Million Menschen in Somalia gegen Cholera geimpft werden, dennoch reicht die vorhandene Hilfe nicht ansatzweise aus.  1) Augsburger Allgemeine: Somalia: Impfaktionen sollen vor Cholera schützen; Artikel vom 05.05.17

Rund 6,2 Millionen Menschen sind auf der Flucht vor dem Hungertod. Häufig wird Zuflucht in den naheliegenden Städten gesucht, aber auch hier ist die Lage katastrophal. Es ist kein sauberes Wasser vorhanden und durch kontaminiertes, verunreinigtes Wasser breitet sich die Cholera-Epidemie weiter aus. Man kann mit einer hohen Anzahl weiterer Flüchtlinge rechnen, die auf dem Weg nach Europa ums Überleben kämpfen. 2) FinanzNachrichten: Hungersnot in Somalia: „Die Zeichen stehen auf Apokalypse!“ / Massenflucht vor dem Hungertod; Artikel vom 10.05.17

Für die Krisensituation in Somalia ist aber nicht nur die Dürre verantwortlich. Die momentane Katastrophe ist zum Teil von Menschen verschuldet. Seit über 25 Jahren ist in Somalia keine Zentralregierung mehr existent. Diverse Gruppen kämpfen um die Macht im Land. Mitunter auch die islamistische Al- Shabaab-Miliz, die immer wieder die Verantwortung für Anschläge trägt. Im Süden des Landes ist der Einfluss der Al-Shabaab-Miliz sehr ausgeprägt, weshalb es für Hilfsorganisationen nahezu unmöglich ist, hier etwas zu bewirken. 3) Stuttgarter Nachrichten: Zehntausenden Kindern droht der Hungertod; Artikel vom 04.05.17

Die verschärften US-amerikanischen und britischen Terrorismusfinanzierungsgesetze stellen eine erhebliche Entmutigung für Hilfsorganisationen dar, lebenswichtige Güter bereitzustellen.Über zwei Millionen Menschen, die an Hunger leiden, leben in Gebieten, die von von islamistischen Militanten kontrolliert werden. Allein, um in das Herrschaftsgebiet der Terrormiliz Al-Shabaab zu gelangen, sind die Hilfsorganisationen gezwungen, „Straßensteuern“ zu bezahlen. Demnach ist es für Hilfsorganisationen unmöglich zu garantieren, dass Extremisten nicht an Hilfsgüter gelangen und von ihnen profitieren.

Durch die neuen Terrorismusfinanzierungsgesetze fürchten sich Helfer vor der britischen bzw. amerikanischen Strafverfolgung im eigenen Land, wenn sie – um Hilfe zu leisten und in die Regionen zu kommen – Terroristen mitfinanzieren. UNO- Experten schätzten diese Steuern auf 90.000 US-Dollar für jede Hilfsorganisation alle sechs Monate im Jahr 2010. Obwohl diese Steuern bezahlt wurden, war nicht für die Sicherheit der Helfer in den Al-Shabaab Regionen garantiert.

Offensichtlich wurde so der Terror durch Hilfsorganisationen mitfinanziert. Diese Gelder sind teilweise für die Machtposition der Terrormiliz und den andauernden Bürgerkrieg verantwortlich. Dementsprechend war es sinnvoll, die Terrorfinanzierungsgesetze zu verschärfen. Andererseits sind den Hilfsorganisationen in Somalia in der momentanen Krisensituation auch die Hände gebunden. 4) The Guardian: Anti-terrorism laws have ‘chilling effect’ on vital aid deliveries to Somalia; Artikel vom 26.04.17

Der seit Februar amtierende Präsident Mohamed Abdullahi erklärte der Al-Shabaab-Miliz den Krieg und hofft auf die Unterstützung der Bevölkerung im Kampf gegen die Islamisten. US-Präsident Donald Trump veranlasste Untersützung zur Bekämpfung der Terrormiliz und schickte Ende März weitere Streitkräfte nach Somalia. 5) Zeit Online: USA wollen Soldaten in Somalia stationieren; Artikel vom 15.04.17

Der andauernde Krieg zerstört die Landwirtschaft und verhindert die Lebensmittelverteilung, die gerade in der Dürreperiode Priorität haben sollte. Die bevorstehende Regenzeit könnte die Lage ein wenig entschärfen, jedoch ist unklar, wieviel Regen es geben wird. In den vergangenen Jahren haben Veränderungen in Wetter und Klima die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Somalias beeinflusst und eine Baustelle für Frieden und Wohlstand geschaffen. Angesichts zunehmender Unsicherheit für saisonale und jährliche Niederschlagsniveaus, steigende Oberflächentemperaturen und dem Meeresspiegelanstieg, besteht Besorgnis darüber, wie der Klimawandel die Situation am Horn von Afrika weiter verschärft. Dieser trägt nämlich zur Intensivierung des Konflikts über knappe natürliche Ressourcen, einschließlich Wasser, bei.

Unter Berücksichtigung dieses Umstandes wird deutlich, dass der Westen vermutlich für die Dürre und die daraus resultierenden Konsequenzen mitverantwortlich ist. Amerikanische Flugzeuge, chinesische Kraftwerke und deutsche Autos, die für einen Großteil des weltweiten CO2- Ausstoßes verantwortlich sind, tragen ihren Teil zur Katastrophe in Somalia bei. 6) ReliefWeb: Before the Famine – Enhancing Climate Resilience of Vulnerable Communities & Ecosystems in Somalia; Artikel vom 20.03.17

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Sophia Spotscheck
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