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Großkonzerne beuten Sierra Leone skrupellos aus

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Diamantenschürfer in Sierra Leone  Bild: ©  Brian Harrington Spier [CC BY 2.0]  - Flickr

Bild: © Brian Harrington Spier [CC BY 2.0] - Flickr

Großkonzerne beuten Sierra Leone skrupellos aus

Im Osten des westafrikanischen Landes Sierra Leone wurde ein Rohdiamant gefunden, welcher mit seinem Gewicht von 706 Karat zu den zwanzig größten Diamanten der Welt zählt. 1) Stern: Amateur-Schürfer findet einen der größten Diamanten aller Zeiten; Artikel vom 17.03.17 Der ehrliche Finder übergab den Riesendiamanten dem Präsidenten Ernest Bai Koroma, um das eigene Volk und die Regierung zu unterstützen. Damit entschied er sich gegen den illegalen Schmuggel des Rohedelsteins, eine Praxis die zwischen 1991 und 2002 maßgeblich den herrschenden Bürgerkrieg im Land befeuerte. 2) Merkur: Pastor macht diesen spektakulären Fund; Artikel vom 17.03.17

Besonders im Osten Sierra Leones versuchen viele Menschen durch das Schürfen von Diamanten Geld dazu zu verdienen. 3) Frankfurter Allgemeine Zeitung: Priester in Sierra Leone gräbt Diamanten aus; Artikel vom 17.03.17 So leben etwa 70 Prozent der Bevölkerung am Existenzminimum und benötigen den Zuverdienst, um etwa das Schulgeld für die Kinder aufbringen zu können. 4) Betterplace: Stipendien für junge Menschen in der Hochschulbildung, Makeni, Sierra Leone; Artikel vom 21.03.16 Rund 80 Prozent der Bevölkerung leben von Subsistenzlandwirtschaft, da fast keine produzierende Industrie im Land vorhanden ist. Internationale Investoren zielen vor allem auf den lukrativen Bergbau, wobei vor allem Diamanten, Bauxit, Eisenerze und Gold als natürliche Rohstoffe vorkommen. Dennoch ist  der Staatshaushalt Sierra Leones auch fünf Jahre nach Ende des Bürgerkriegs noch auf internationale Hilfe angewiesen, denn die Gewinne durch den Verkauf der wertvollen Naturprodukte fallen meist den internationalen Großkonzernen zu. 5) Bundeszentrale für politische Bildung: Sierra Leone; Artikel vom 11.11.15 Dabei haben diese etwa die Schürfrechte zum Abbau von Diamanten nicht immer rechtmäßig erworben. So sicherten sich Diamantenkonzerne noch zu Bürgerkriegszeiten die Abbaurechte beispielsweise im Gegenzug für finanzielle Unterstützung einer Konfliktpartei. 6) AG Friedensforschung: Sierra Leone: Diamanten überstrahlen die Ratlosigkeit; Stand vom 03.04.17

Ein weiterer großer Wirtschaftssektor des westafrikanischen Landes besteht in der großflächigen Landwirtschaft zur Gewinnung von Palmöl und pflanzlichen Treibstoffen. Dabei besitzen internationale Agrarkonzerne oft riesige mit Bestechungsgeldern erkaufte Flächen. Während die einheimische Bevölkerung körperlich schwere Tätigkeiten zu geringem Lohn als Plantagenarbeiter verrichten muss und gerade so das Überleben ihrer Familie sichern kann, fließen die großen Erträge aus dem Export ins Ausland zurück an die Großkonzerne. 7) Bundeszentrale für politische Bildung: Sierra Leone; Artikel vom 11.11.15 Besonders die starke Nachfrage der westlichen Industriestaaten nach Biodiesel und Palmöl treibt diese Entwicklung weiter voran und lässt keine Verbesserung für die Arbeiter vor Ort zu. Dies gilt in besonderer Weise auch für den Rohstoffabbau, wobei die Millionengewinne der Großkonzerne in einem absurden Verhältnis zu dem Hungerlohn der oft unter lebensgefährlichen Bedingungen arbeitenden Bevölkerung stehen.

Zudem leiden die Einheimischen unter den Folgen des monokulturellen Agrargeschäfts. Durch den massiven Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln trocknen die Böden aus, der Grundwasserspiegel sinkt aufgrund des erhöhten Wasserverbrauchs und die Biodiversität wird stark beeinträchtigt. Zwar werben die Großkonzerne mit der Schaffung von Arbeitsplätzen, dem Aufbau von Schulen und Kindergärten sowie der Erweiterung der Infrastruktur, am Beispiel des Schweizer Energiekonzerns „Addax and Oryx“ wird jedoch die tatsächliche Realität deutlich. Mit dem Rückgang der Weltmarktpreise für Bioethanol und dem Ausbruch der Ebola-Epidemie 2014 stellte das Unternehmen plötzlich seine Investitionen in Sierra Leone ein. Zurück blieben rund 3.000 arbeitslose Menschen ohne Perspektive, nachhaltig zerstörte Böden und verseuchtes Grundwasser. 8) Deutschlandfunk: Schweizer Unternehmen in der Kritik; Artikel vom 26.10.16 Aufgrund der hohen Abhängigkeit der Arbeiter von dem Konzern kommt es außerdem seit dessen Abwanderung verstärkt zu Hunger und Mangelernährung ganzer Familien, deren Einkommens- und Ernährungsgrundlage nun fehlen. 9) FIAN: Sierra Leone: „Vorzeigeprojekt“ gescheitert; Artikel vom 14.07.16

Als weiteres Standbein versuchte Sierra Leone in den vergangenen Jahren auch den Tourismussektor auszubauen. Dieses Vorhaben wurde jedoch von der Ebola-Epidemie jäh unterbrochen. Dabei starben innerhalb von zwei Jahren 11.315 Menschen, welche rund 23.000 Halb- oder Vollwaisen hinterließen. Das schwache Gesundheitssystem sowie mangelnde sanitäre Einrichtungen begünstigten diese Entwicklung zusätzlich. Dies bremste auch das wirtschaftliche Wachstum des Landes, welches 2013 erstmals nach dem Ende des Bürgerkrieges sogar auf bis zu 20 Prozent anstieg. 10) Frankfurter Allgemeine Zeitung: Bye-bye, Ebola; Artikel vom 18.12.15 In Folge ist das Land heute mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 4,4 Milliarden US-Dollar immer noch eines der ärmsten Länder der Welt. Im Jahr 2014 belegte Sierra Leone sogar den 181. Platz von 188 Ländern auf der Skala menschlicher Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI). 11) Auswärtiges Amt: Sierra Leone – Wirtschaft; Artikel vom 01.03.16

Zwar konnten bereits Fortschritte beispielsweise in der staatlichen Kontrolle des Diamantenabbaus gemacht werden, jedoch werden die Edelsteine immer noch illegal ausgeführt. Um das Interesse der Investoren zu wecken, liegt der Exportsteuersatz für Rohstoffe bei nur 3,5 Prozent. Jedoch gehen auf diese Weise dem Staat wichtige Einnahmen verloren, welche dringend für den Ausbau und die Entwicklung des Gesundheits- und Bildungswesens gebraucht würden. In Folge dieser Nachlässigkeit geht an der Mehrheit der Bevölkerung der eigentlich vorhandene Reichtum des Landes vorbei. Insbesondere ländliche Regionen sind dabei von mangelnden Bildungs- und Partizipationschancen und Arbeitslosigkeit betroffen. Diese Diskrepanzen sind bis heute kaum geringer als vor dem Bürgerkrieg. Bedenklich ist dabei besonders die oft aussichtslose Lage eines Großteils der noch sehr jungen Bevölkerung, welche ohne Aufstiegschancen eine enorme soziale Sprengkraft in sich birgt. 12) Bundeszentrale für politische Bildung: Sierra Leone; Artikel vom 11.11.15

Mit dem Entwicklungsprogramm „Agenda for Prosperity“ soll nun Sierra Leone mit Unterstützung der UN bis 2035 das Niveau eines Landes mit mittlerem Einkommen erreichen. Das Programm umfasst eine Diversifizierung des Wirtschaftswachstums sowie den Aufbau einer verarbeitenden Industrie, besseres Management der Naturressourcen, mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit, den Ausbau der Infrastruktur, Schaffung von Arbeitsplätzen, besonders für die Ärmsten, Verbesserung der Regierungsführung und Kampf gegen Korruption sowie Fortschritte in Bezug auf den Schutz der Menschenrechte und Gleichstellung der Geschlechter. 13) Auswärtiges Amt: Sierra Leone – Wirtschaft; Artikel vom 01.03.16 Damit hat sich die Regierung viel vorgenommen. Ziele, welche nur erreicht werden können, wenn neben einer politischen Veränderung auch internationale Akteure als Partner auftreten.

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Ich studiere Politik- und Verwaltungswissenschaften im Master und bin nun für 6 Wochen Praktikantin bei Earthlink. Ich freue mich besonders mich in dieser Zeit intensiv mit aktuellen entwicklungspolitischen Themen zu beschäftigen und mich hierfür sozial zu engagieren.

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