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Sykes-Pikot Abkommen: Ein schamlos eigennütziger Pakt und Quell anhaltenden Elends im Nahen Osten

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Aufteilung des Nahen Ostens gemäß dem Sykes-Pikot-Abkommen Aufteilung des Nahen Ostens gemäß dem Sykes-Pikot-Abkommen |  Bild: ©  Ian Pitchford - Wikipedia

Aufteilung des Nahen Ostens gemäß dem Sykes-Pikot-Abkommen | Bild: © Ian Pitchford - Wikipedia

Sykes-Pikot Abkommen: Ein schamlos eigennütziger Pakt und Quell anhaltenden Elends im Nahen Osten

Vor nur fünf Tagen wurde Großbritannien Opfer eines islamistisch motivierten Terroranschlags, knapp zwölf Jahre nach den verheerenden Anschlägen in Londons öffentlichem Nahverkehr, bei welchen vier islamistische Attentäter 52 Menschen töteten und über 700 zum Teil lebensgefährlich verletzten. Dabei reihen sich diese Vorfälle in eine traurige Serie an Terroranschlägen ein, motiviert durch religiösen Fanatismus. So wurde Frankreich 2015 mit den Anschlägen auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo sowie die über das Pariser Stadtgebiet verteilten Anschläge am 13. November 2015, welche 130 Menschen töteten und mindestens 352 verletzten, besonders schwer von islamistischen Attentaten getroffen. Doch wieso wird der Westen immer wieder zum Ziel islamistischen Terrors? Aufschluss über diese Frage könnte auch das im Geheimen geschlossene Sykes-Pikot-Abkommen geben, welches sich bald schon zum 101. Mal jährt.

Es bezeichnet eine Übereinkunft zwischen Großbritannien und Frankreich zur Aufteilung des Osmanischen Reiches nach dessen Zerfall mit dem Ende des Ersten Weltkriegs. Dieses Gebiet war und ist für Europa insbesondere deshalb bedeutsam, weil es der Erhaltung des Kräftegleichgewichts auf dem europäischen Kontinent dient und Russland vom Zugang zum Mittelmeer abschneidet. 1) Bundeszentrale für politische Bildung: Vor 100 Jahren: Großbritannien und Frankreich vereinbaren das Sykes-Picot-Abkommen; Artikel vom 13.05.16 Das Abkommen wurde am 16.Mai 1916 geschlossen und sah eine Kontrolle Frankreichs über den Südosten der Türkei, den Libanon, Syrien und den nördlichen Irak vor. Großbritannien hingegen wurde die Macht über das heutige Israel, Palästina und den südlichen Irak zugesprochen. Mit dieser Vereinbarung wurden die bis heute bestehenden Staatsgrenzen jedoch ohne Berücksichtigung der ethnischen Gruppen, der traditionellen Stammesgebiete, kultureller Eigenheiten und religiöser Gegebenheiten getroffen. 2) Der Tagesspiegel: Eine verhängnisvolle Linie teilt den Nahen Osten; Artikel vom 16.05.16

Besonders stark von der französisch-englischen Grenzziehung betroffen sind dabei die Kurden. Diese Volksgruppe wurde auf vier Staaten zersplittert aufgeteilt und hat seither als staatenlose Minderheit mit der Missachtung ihrer Rechte, etwa bezüglich der Pflege der eigenen Sprache und Kultur, zu kämpfen. 3) Der Freitag: Geheimes Sykes-Picot Abkommen 1916-2016; Artikel vom 07.06.16 Heute, über 100 Jahre danach, zeigt sich nun, dass die damalige, uninformierte Aufteilung des Nahen Ostens noch immer zu massiven Konflikten führt und es nie gelang, eine stabile Ordnung für die dort lebenden Völker zu etablieren. 4) Bundeszentrale für politische Bildung: Vor 100 Jahren: Großbritannien und Frankreich vereinbaren das Sykes-Picot-Abkommen; Artikel vom 13.05.16

So ähneln die geschaffenen Staaten bis heute künstlichen Gebilden, geschaffen durch die europäischen Kolonialmächte 5) Deutschlandfunk: Das Sykes-Picot-Abkommen im Ersten Weltkrieg; Artikel vom 21.06.14 , welche mit ein paar Federstrichen die Konfliktsicherungsmechanismen der Osmanen im Nahen Osten nachhaltig zerstörten. Diese basierten maßgeblich auf einer kleinteiligen Gebietsaufteilung, unter Berücksichtigung der vielen unterschiedlichen Gruppen, welche in der Region ein friedliches Zusammenleben versuchten. Eine solche, friedliche Koexistenz konnte nach der willkürlichen Grenzziehung der Kolonialstaaten nicht mehr erreicht werden. Vielmehr war es seitdem notwendig, die künstlich zu einem Staatsvolk verbundenen Gruppen erst durch die Macht der Kolonialherren und später durch repressive Diktatoren zusammenzuhalten. Jedoch versuchten die arabischen Herrscher gerade die ethnischen und religiösen Gegensätze zur Sicherung ihrer Macht zu nutzen und die unvereinbaren Gruppen gegeneinander auszuspielen. Ohne eine gefestigte nationale Identität innerhalb der festgelegten Staatsgrenzen fühlten sich die Regierungen zudem nicht einem übergeordneten Gemeinwohl verpflichtet, vielmehr handelten sie im Sinne ihres eigenen Nutzens und versuchten diesen rücksichtslos zu maximieren. 6) Der Tagesspiegel: Eine verhängnisvolle Linie teilt den Nahen Osten; Artikel vom 16.05.16 Als infolgedessen auch diese Regime wegfielen, stürzte die Region in Krieg und Chaos, die bis heute andauern. 7) Frankfurter Allgemeine Zeitung: Wurzel des Nahostkonflikts; Artikel vom 15.05.16

Mit dem Syrienkrieg wird dabei erstmals in der jüngeren Geschichte ein Staat des Mittleren Ostens zum öffentlichen Kriegsschauplatz der tiefgreifenden Konflikte in der Region. So kämpfen seit 2011 tausende ausländische Söldner in Syrien für eine Vielzahl unterschiedlicher Gruppen. Saudi-Arabien, der Iran sowie die Türkei verfolgen auf syrischem Boden ihre nationalen Interessen. Der blutige Bürgerkrieg forderte bereits hunderttausende Todesopfer und veranlasste 4,9 Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat. 8) N-TV: Wie Willkür zum Dauerzustand wurde; Artikel vom 16.05.16 Hinzu kommen rund 6,6 Millionen Binnenflüchtlinge. 9) UNO-Flüchtlingshilfe: Global Trends – Jahresbericht 2015; nicht mehr verfügbar . Der Nahost-Konflikt ist jedoch bis heute ungelöst und wird also auch in Zukunft noch viele Gründe liefern, welche Menschen zur Flucht bewegen werden. Dabei werden diese Auseinandersetzungen auch für den globalen Norden zunehmend weniger ignorierbar. 10) Der Freitag: Geheimes Sykes-Picot Abkommen 1916-2016; Artikel vom 07.06.16 Mit über zwei Millionen Flüchtlingen in Jordanien, dem Libanon sowie dem Norden des Iraks mag die Problematik noch fern wirken, allerdings sind bereits drei Millionen Menschen auch in die Türkei geflohen, ein Staat, mit welchem die EU bereits seit Jahren Beitrittsverhandlungen andenkt.

Die anhaltenden Konflikte verweisen dabei auf die zunehmend vehementer werdenden Auflösungsbestrebungen gegenüber der Grenzziehung des Sykes-Pikot Abkommens, der vermeintlichen Wurzel allen Übels. Grund dafür ist die bis heute empfundene Schmach über die Missachtung der kulturellen Identität der arabischen Bevölkerung, ihrer Würde und ihres Stolzes durch die westlichen Kolonialmächte. 11) Der Freitag: Geheimes Sykes-Picot Abkommen 1916-2016; Artikel vom 07.06.16 Das Höchstmaß dieses Protests manifestiert sich im sogenannten IS, welcher von den innerstaatlichen Verwerfungen sowie dem zunehmenden Verfall der einst installierten Staaten profitiert und nun verstärkt die Aufhebung der als unrecht empfundenen Grenzen zu erzwingen versucht, welche einst die Aussicht auf einen unabhängigen Staat raubten. 12) N-TV: Wie Willkür zum Dauerzustand wurde; Artikel vom 16.05.16 So rissen Anhänger der Terrormiliz im Jahr 2014 mit einem Bulldozer mitten in der Wüste Kontrollposten der syrisch-irakischen Grenze nieder. 13) Zeit Online: Das Ende jeden Friedens; Artikel vom 16.05.16 „Unser Vormarsch wird nicht stoppen, bis wir den letzten Nagel in den Sarg der Sykes-Picot-Verschwörung geschlagen haben“ verkündete dazu der gegenwärtige Anführer des IS Abu Bakr al-Baghdadi.

Die traurige Bilanz nach mehr als 100 Jahren Sykes-Pikot Abkommen lautet, dass  keine Gruppe von Staaten in den letzten Jahrzehnten so viele Kriege, Umstürze und Terroranschläge erleben musste, wie das Gebiet des ehemaligen Osmanischen Reichs. Das Abkommen markiert dabei den Beginn der langjährigen Gewalt, auch wenn in der historischen Unglücksbilanz des Nahen Ostens heute vieles zusammenkommt: „das Versagen der arabischen Eliten, die Rolle des politischen Islam und des Militärs, die Entdeckung des Erdöls, der Dauerkonflikt um die Gründung Israels sowie die fortwährenden Eingriffe Europas, der Vereinigten Staaten und Russlands“. 14) Zeit Online: Das Ende jeden Friedens; Artikel vom 16.05.16

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Verena / earthlink

Ich studiere Politik- und Verwaltungswissenschaften im Master und bin nun für 6 Wochen Praktikantin bei Earthlink. Ich freue mich besonders mich in dieser Zeit intensiv mit aktuellen entwicklungspolitischen Themen zu beschäftigen und mich hierfür sozial zu engagieren.

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