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Indien: Wie Kohlekraftwerke die Luft vergiften

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 Smog in Indien |  Bild: ©  Mark Danielson [CC BY-NC 2.0]  - Flickr

Smog in Indien | Bild: © Mark Danielson [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Indien: Wie Kohlekraftwerke die Luft vergiften

Seit einigen Tagen ist die Luftverschmutzung in Neu-Dehli so hoch, dass die Regierung den Notstand ausgerufen hat. Die Belastung der Luft in Delhi liegt derzeit beim 15-fachen des in Indien noch als akzeptabel geltenden Wertes. Die von der WHO vorgegebenen Zahlen werden sogar um das 40-fache überschritten. Teilweise können sogar die Messgeräte die Werte nicht mehr erfassen. Arvind Kejriwal bezeichnete seine Stadt als „Gaskammer“. 1) tagesschau: Smog bringt Indiens Regierung in Not; aktualisiert am 06.11.2016 Aber nicht nur in den  Millionenmetropolen ist dies ein Problem. Mindestens genauso besorgniserregend ist die Belastung in den mittelgroßen Städten, warnt die indische Umweltbehörde. Nur bekommen die in der Regel nicht so viel Aufmerksamkeit von den Medien. Auf dem aktuellen Luftqualitätsindex von amerikanischen Universitäten, bei dem Deutschland die kompletten 100 Punkte erhält, bekommt Indien aber insgesamt noch nicht einmal vier Punkte. 2) ZeitOnline: Indiens schwarze Luft; veröffentlicht am 06.02.2013

Das gesellschaftliche Umweltbewusstsein ist im Schwellenland Indien allgemein noch im Anfangsstadium. So fackeln die Bauern ungestraft ihre abgeernteten Felder ab, um sie für die nächste Aussaat vorzubereiten. Müll wird verbrannt und Millionen von Menschen feierten tagelang mit Feuerwerkskörpern. Die kälteren Temperaturen und die Windstille um diese Jahreszeit verhindern zudem, dass der Smog abzieht. 3) tagesschau: Smog bringt Indiens Regierung in Not; aktualisiert am 06.11.2016 Der Smog ist also nicht unerwartet über Delhi gekommen, die Politik agiert aber hilflos. Es ist aber keine Einigung auf eine gemeinsame Umweltpolitik in Sicht. Diese würde nämlich große Teile der Ökonomie betreffen und die indische Wirtschaft baut auf über 7500  Fabriken internationaler Modemarken, wie beispielsweise C&A, H&M oder Tom Tailor. Auch Firmen aus der Elektroindustrie wie der Apple-Zulieferer Foxconn und etliche Betriebe der Schwerindustrie lassen in Indien produzieren. Für diese sind neben den niedrigen Löhnen vor allem auch jene fehlenden Umweltauflagen ein Grund für die Ansiedlung in Indien. Sollten diese verstärkt werden und damit die Kosten ansteigen, könnten die Unternehmen ihre Fabriken jederzeit in andere Schwellen- oder Entwicklungsländer verlagern. 4) ZeitOnline: Sklavin für vier Jahre; veröffentlicht am 22.03.2012

Indien versucht also mit aller Macht, die internationalen Fabriken im Land zu halten und vernachlässigt deshalb die Umwelt und damit das Wohlergehen der eigenen Bevölkerung. Deutlich wird dies an Städten wie Chandrapur: Sechs Kohlekraftwerke direkt im Zentrum. Der Reichtum an Kohle lockte zudem eine gewaltige Schwerindustrie an. 5) ZeitOnline: Indiens schwarze Luft; veröffentlicht am 06.02.2013 Das größte Problem sind dabei die Emissionen der  Fabriken und vor allem der Kohlekraftwerke, denn sie stoßen gefährliche Mengen von giftigen Feinstäuben, Oxiden und Schwermetallen aus. 6) wikipedia: Kohlekraftwerke; aktualisiert am 26.10.2016 Diese führen zu enormen gesundheitlichen Problemen. Besonders gefährlich ist der giftige Luft-Cocktail für kleine Kinder, deren Immunsystem noch deutlich schwächer ist. Bei Erwachsenen steigt  das Schlaganfallrisiko. 7) tagesschau: Smog bringt Indiens Regierung in Not; aktualisiert am 06.11.2016   und viele der Stoffe sind krebserregend. Wer sich mit den Einwohnern Chandrapurs unterhält, der hört von kranken und hustenden Kindern, von unfruchtbaren Feldern und giftigem Trinkwasser. Die Stadt, die ziemlich genau in der Mitte des Subkontinents liegt, steht sinnbildlich für die kontinuierliche Vergiftung eines ganzen Landes. Daten der WHO zeigen, dass in Indien pro Einwohner gerechnet weltweit die meisten Menschen mit Atemwegserkrankungen leben 8) SpiegelOnline: Smog in Neu-Dehli ist schlimmer als in Peking; veröffentlicht am 27.10.2014 und selbst der IWF schätzt die Zahl der Todesopfer in Indien durch Kohlekraftwerke auf 70.000 jährlich. 9) ZeitOnline: Indiens schwarze Luft; veröffentlicht am 06.02.2013

Kohle ist aber Indiens wichtigste Stromquelle, vor allem für die Fabriken. Mehr als die Hälfte des Stroms wird aus der Verbrennung gewonnen und auch in Zukunft ist Indien auf Kohle angewiesen, wenn es sein Energieproblem lösen will. Die UN schätzen, dass noch immer rund 300 Millionen Menschen auf dem Subkontinent ohne Elektrizität auskommen müssen. Fast jeden Tag kommt es zu Stromausfällen. Indien wird deshalb weiterhin den Bau von Kohlekraftwerken vorantreiben. Laut dem World Resources Institute werden in den kommenden Jahren in Indien rund 450 neue Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt rund 500.000 Megawatt entstehen. 10) ZeitOnline: Indiens schwarze Luft; veröffentlicht am 06.02.2013

Sollten sich diese Bedingungen in Zukunft nicht ändern, wird den Menschen nichts anderes übrig bleiben, als zu fliehen. Bereits jetzt flüchten viele aus den Städten in ländliche Regionen oder Nachbarländer. Jedoch sind auch diese bereits von der Umweltbelastung betroffen und zudem gibt es dort kaum Arbeit. 11) dw: Indiens Smog greift über nach Pakistan; veröffentlicht am 07.11.2016 Viele versuchen deshalb nach Europa zu gelangen. Aber obwohl Europas Politik eine Mitverantwortung trägt, werden diese Flüchtlinge nicht anerkannt. Europäische Unternehmen müssten also beginnen, eine Mitverantwortung für die Umwelt der  Länder zu übernehmen, in denen ihre Fabriken stehen. Ganz besonders im Rahmen der Energieversorgung. Die Zahl der Flüchtlinge könnte sonst zukünftig stark ansteigen.

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Marie Specht

Ich studiere im vierten Semester Geographie in Bochum. Momentan mache ich für zwei Monate ein Praktikum bei earthlink, weil ich mich sehr für entwicklungspolitische Zusammenhänge interessiere und dabei mitwirken möchte, Menschen über die Probleme zu informieren.

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