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Algerien: Kehrseiten der niedrigen Öl-Preise

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 Niedrige Benzinpreise |  Bild: © Michael Welsh  [CC BY-NC 2.0]  - Flickr

Niedrige Benzinpreise | Bild: © Michael Welsh [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Algerien: Kehrseiten der niedrigen Öl-Preise

In den meisten Industrieländern sorgen die momentan niedrigen Erdölpreise für Begeisterung. Sowohl die Volkswirtschaften als auch Privatpersonen können so viel Geld einsparen. Doch das Geld, welches  wir zurückbehalten, fehlt in anderen Ländern, so zum Beispiel in Algerien. In der algerischen Wirtschaft dreht sich seit mehr als 60 Jahren alles um den Export von Erdöl und Erdgas. Auf diesen beiden Gütern basieren bis zu 98 Prozent der Ausfuhrerlöse und 60 Prozent des Staatshaushaltes stammen aus ihren Exporten. Alternative Einnahmequellen sind kaum vorhanden, weil der Aufbau einer produktiven wirtschaftlichen Basis wegen der hohen Verdienste im Ölexport vernachlässigt wurde. 1)ZeitOnline: Terror aus den Bergen; veröffentlicht am 05.02.2016

Aus diesem Grund entstand eine extreme Abhängigkeit vom Weltmarkt. Solange diese Preise hoch genug waren, hatte das Land kaum  Probleme zu befürchten. Die Regierung  konnte sich den sozialen Frieden in Zeiten voller Kassen mit billigen Heiz- und Benzinpreisen in Algerien  und subventionierten Grundnahrungsmitteln und Wohnungen erkaufen. Seit 2014 gehen jedoch die Erdöl und –gas Preise weltweit stark zurück.  Zwischen Januar und November 2015 schrumpften die Ausfuhrerlöse Algeriens  für Öl und Gas bereits von 47 auf 32,36 Milliarden Dollar. 2016 sollen es sogar nur noch 26,4 Milliarden Dollar sein. Das Land befürchtet deshalb wirtschaftliche und gesellschaftliche  Probleme. 2)ZeitOnline: Terror aus den Bergen; veröffentlicht am 05.02.2016

Das wirkt sich vor allem auf die jüngeren Generationen aus, denn es fehlt an zukunftsträchtigen Arbeitsplätzen und vor allem an Bildungsmöglichkeiten. Eine junge Algerierin erzählt beispielsweise, wie in ihrer Schule in diesem Jahr mehr als 50 Prozent der Schüler ins Ausland gegangen sind. Außerdem hat Algerien hohe Geburtenraten und dadurch mit  27,3 Jahren ein sehr geringes Durchschnittsalter (Stand 2014). In Deutschland lag dieses  im Vergleich dazu bei  46,1 Jahren.  Auch der Anteil  der unter 15 jährigen ist in Algerien mehr als doppelt so hoch, wie in Deutschland. 3) Haetten Sie gewusst: Algerien – Deutschland: Bevölkerungspyramiden im Vergleich; veröffentlicht in 2014 Gerade diesen Menschen fehlt in Algerien die Perspektive.  Internationale Beobachter gehen derzeit davon aus, dass  mindestens ein Drittel der jungen Leute keine Arbeit hat.  Viele, die als beschäftigt gelten, halten sich in Wirklichkeit zudem  mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs über Wasser. Denn auch wenn die Zahl der Akademiker mit 1,5 Millionen prozentual  hoch ist, sind die beruflichen Möglichkeiten extrem eingeschränkt. 4)deutschlandfunk: Agonie und Zukunftsangst; veröffentlicht am 11.10.2016

Viele haben auch Angst vor blutigen Konflikten. Denn der weitverbreitete Unmut führt heute schon zu vielen kleineren und größeren Protesten überall im Land, sagt der Politologe Werner Ruf. Das Problem ist eine fehlende strukturierte Opposition, die in der Lage wäre, eine Alternative anzubieten. Es gab beispielsweise einen Vorfall in  der Hauptstadt, bei dem auf einer Polizeiwache ein Jugendlicher totgeschlagen wurde. Am nächsten Morgen standen daraufhin  beinah 10.000 Jugendliche vor der Polizeiwache mit einem riesigen Plakat, darauf stand: „Schießt doch, wir sind schon tot! Und das charakterisiert die Stimmung in der Jugend: Verzweiflung, Elend, Perspektivlosigkeit.“ Das Regime antwortet auf die Proteste mit Repression. Ein politisches Gegenmodell  ist nicht in Sicht. Aber es entsteht eine weitere Schwierigkeit, die derzeit sehr kontrovers diskutiert wird. Es geht um einen Prozess, den Beobachter als die „schleichende Islamisierung der Gesellschaft“ bezeichnen. So kann man zum Beispiel im benachbarten Tunesien beobachten, wie sich rund 6.000 junge Leute auf den Weg nach Syrien und in den Irak gemacht haben. Sie wollen dort für den „Islamischen Staat“ kämpfen. 5)deutschlandfunk: Agonie und Zukunftsangst; veröffentlicht am 11.10.2016

Auch in Deutschland stieg die Zahl der Flüchtlinge aus Algerien im vergangenen Jahr sprunghaft. Das große Problem ist jedoch, dass Deutschland Algerien und die Maghreb Staaten als sichere Herkunftsländer einstufen will. Die Algerier werden also in Zukunft kaum Chancen haben, Asyl in Deutschland zu bekommen. Auch aktuell stehen die Chancen schon schlecht, denn nur 0,7 Prozent aus Algerien werden bewilligt. Viele sehen also  nur die Möglichkeit,  mit gefälschten Pässen nach Deutschland zu kommen. Dies hat zur Folge, dass die Asylverfahren noch aussichtsloser sind. Die Einstufung als sicheres Herkunftsland könnte die Konflikte in Algerien also noch weiter verschärfen. 6)ZDFheute: Koste es, was es wolle: Ich will in Europa leben; nicht mehr verfügbar

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

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Ich studiere im vierten Semester Geographie in Bochum. Momentan mache ich für zwei Monate ein Praktikum bei earthlink, weil ich mich sehr für entwicklungspolitische Zusammenhänge interessiere und dabei mitwirken möchte, Menschen über die Probleme zu informieren.

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