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Kolonialmächte zogen willkürlich Grenzen: heutige Folgen in Afrika

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Afrika Landkarte  Bild: © Seeds of Hope [CC BY 2.0]  - flickr

Bild: © Seeds of Hope [CC BY 2.0] - flickr

Kolonialmächte zogen willkürlich Grenzen: heutige Folgen in Afrika

Afrikas Ländergrenzen werden heute als selbstverständlich angesehen. Doch diese Abgrenzungen entstanden erst im Zuge der Kolonialzeit. Denn davor gab es kaum festgelegte Grenzen. Es existierten zentralistische Staatswesen, die für ein Kerngebiet zuständig waren. Einflusszonen oder kleinere Gebiete, die vom Zentrum abhängig waren, umgaben diese Kerngebiete. Daneben gab es auch Regionen, die von größeren Dorfgemeinschaften beherrscht wurden, also keiner zentralen Führung untergeben waren.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts nutzten europäische Staaten Afrikas Küste hauptsächlich als Handelsstützpunkte und besetzten mit einigen Ausnahmen nur die Ufergebiete. Doch um 1880 begann ein regelrechter Wettlauf um den Kontinent. Europäische Mächte wollten versuchen, so viel Einfluss wie möglich in Afrika zu erlangen und es weitestgehend erforschen. Die zahlreichen Rohstoffvorkommen auf dem schwarzen Kontinent sollte die Wirtschaft in den europäischen Ländern antreiben. Da die Bevölkerung Afrikas lange Zeit als heidnisch galt, rechtfertigten die Kirchen in Europa, die christlichen Missionen auf den Kontinent auszudehnen. So verbreiteten sich immer mehr Entdecker, Händler und Glaubensboten in Afrika. 1) bpb: Ausbreitung des Kolonialismus; Afrika; Artikel vom 21.05.2005

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden dann im Wettstreit um Afrikas Kolonien willkürlich Grenzen von den Europäern gezogen. Diese neu entstandenen Gebiete wurden durch die Kolonialmächte zu Verwaltungsstaaten organisiert. Früher gab es eine regionale politische Vielfalt, später mussten sich alle an den territorialen Verwaltungsstaat halten. Bei der Grenzziehung wurde nicht auf ethnische und historische Gegebenheiten geachtet. So wurden Familien getrennt, Feinde vereint und Handelsrouten unterbrochen. Das heutige Kamerun wurde zu deutschem Gebiet, dessen ehemaliges politisches Zentrum Yola wurde allerdings dem englischen Territorium zugewiesen, heute Nigeria. Den Europäern ging es hauptsächlich um ihre eigenen Interessen.

Trotzdem wurde die Grenzziehung erst im Zuge der Dekolonisierung zu einem wichtigen Thema. Neue Grenzen sollte es nicht geben: Die Angst um das Entfachen zahlreicher Kriege war zu groß. Zudem fanden die meisten Auseinandersetzungen um Ressourcen und Korruption auf politischer Ebene innerhalb der Staatsgrenzen statt. Somit verständigten sich die neuen Länder in Afrika recht schnell auf eine gegenseitige Respektierung der Grenzen. 2) bpb: Herausforderungen und Chancen für die Politik; Afrika Schwerpunktthemen; Artikel vom 18.09.2009

Dennoch fand zwischen Eritrea und Äthiopien ein Grenzkrieg statt. Eritrea wurde eine italienische Kolonie, während Äthiopien seine Unabhängigkeit wahren konnte. Ab 1952 schlossen sich die Länder zusammen, Eritrea verlor aber zunehmend an Eigenständigkeit. Da Äthiopien von einem Diktator regiert wurde, zeigte sich in beiden Ländern Widerstand. 1991 konnte das Regime gestürzt werden. Auch nach der Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1993 kooperierten die Länder wirtschaftlich weiterhin. Jedoch setzten auch die ersten Grenzstreitigkeiten ein.

Die Grenze war Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen Großbritannien, Italien und dem Reich, das heute Äthiopien ist, ausgehandelt worden. Äthiopien argumentiert aber, dass diese Verhandlungsergebnisse nie umgesetzt und manche Gebiete immer noch durch ihr Land verwaltet wurden. Als Eritrea nach weiterer Unabhängigkeit strebte und die Nutzung einer Ölraffinnerie für Äthiopier um 10 Prozent erhöhte, nahmen die Streiteren zu. Desweiteren wurde in Eritrea eine eigene Währung eingeführt. Die Grenzgebiete wurden daraufhin ab 1997 abwechselnd besetzt, es kam auch zum Aufrüsten beider Armeen und zu blutigen Schusswechseln. Erst im Jahr 2000 wurde ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Schätzungen gehen davon aus, dass dem Krieg an die 150 000 Personen zum Opfer gefallen sein könnten. Außerdem flohen eine Million Eritreer, das ist ein Drittel der dortigen Bevölkerung, in Äthiopien waren es rund 350 000. 3) Wikipedia: Eritrea-Äthiopien-Krieg; aufgerufen am 31.10.2016

Die Kolonialherrschaft allgemein wirkte sich negativ auf die afrikanischen Gesellschaften aus. So wurde die Infrastruktur zugunsten der europäischen Kolonialmächte ausgerichtet. Die Staaten konnte sich in nachkolonialer Zeit somit schwer ihre eigene Wirtschaft aufbauen. Die Länder sind heute immer noch Lieferanten für mineralische und landwirtschaftliche Produkte, denn die Weiterverarbeitung findet meist in Europa statt. Positive Entwicklungen durch den Kolonialismus sind eine Verbesserung des Bildungs- und Schulsystems. Die Sterberate wurde zwar gesenkt, bei gleichbleibender Geburtenrate führte das allerdings zu hohem Bevölkerungswachstum. 4) bpb: Ausbreitung des Kolonialismus; Afrika; Artikel vom 21.05.2005

Viele Länder Afrikas sind heute immer noch von europäischen Ländern abhängig. Dabei führte die willkürliche Grenzziehung sicherlich zu einigen Konflikten in Afrika, dennoch ist wahrscheinlich die postkoloniale Schwächung der Staaten in Afrika der Hauptauslöser der meisten Auseinandersetzungen und Fluchtursachen. 5) bpb: Herausforderungen und Chancen für die Politik; Afrika Schwerpunktthemen; Artikel vom 18.09.2009

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Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Lorina / earthlink

Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und interessiere mich für internationale Zusammenhänge und soziales Engagement. Ich möchte in verschiedene Berufe Einblick erhalten und deswegen freue ich mich EarthLink das nächste halbe Jahr als Bundesfreiwillige unterstützen zu können!

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