Seiten
Kategorien

Syrien: Russische und US-geführte Bombenangriffe heizen den Konflikt weiter an – Nun droht eine humanitäre Katastrophe im Nordwesten des Landes

-

  Bild: © Freedom House [CC BY 2.0]  - Flickr

Bild: © Freedom House [CC BY 2.0] - Flickr

Syrien: Russische und US-geführte Bombenangriffe heizen den Konflikt weiter an – Nun droht eine humanitäre Katastrophe im Nordwesten des Landes

Die Genfer Flüchtlingskonvention wird heute 65 Jahre alt. Es ist ein trauriger Geburtstag. Denn an ihrer Notwendigkeit hat sich bis heute nichts verändert. Ganz im Gegenteil: Über 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die meisten Menschen stammen noch immer aus Syrien, wo sich die Lage seit fünf Jahren nahezu täglich verschlimmert.1)UNHCR: Figures at a glance; Stand 21.12.2016

Im Nordwesten des Landes droht nun eine humanitäre Katastrophe. Nach Informationen eines Zusammenschlusses aus 24 vor Ort tätigen Hilfsorganisationen sind seit mehr als drei Wochen fast 400.000 Menschen von der Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten abgeschnitten. “Die Menschen in Manbij, Aleppo, Idlib, Daraya und überall im Land leiden unter Hunger und Krankheiten“, warnt Sonya Khush, Länderdirektorin von Save the Children in Syrien. “Die Vorräte gehen rapide zur Neige, Frauen, Kinder und Männer werden hungern, wenn die Konfliktparteien nicht gezwungen werden, den Weg für humanitäre Hilfe freizugeben.“2)Der Westen: Knapp 400.000 Zivilisten in Syrien von Hilfe abgeschnitten; Artikel vom 27.07.2016

15596725158_2c8f3218bc_zX1X

(c) Jordi Bernabeu Farrús (CC BY 2.0)Flickr Auch nach fünf Jahren wird besonders der Nordwesten Syriens noch immer von heftigen Kämpfen heimgesucht. Viele Städte und Dörfer sind von der Versorgung abgeschnitten. Eine humanitäre Katastrophe scheint unausweichlich.

Alleine in Aleppo sind seit Beginn der Belagerung der Stadt ca. 300.000 Menschen eingeschlossen, davon sollen alleine 60 Prozent Frauen und Kinder sein. „Die Bevölkerung in Aleppo musste jahrelang Bombardements ertragen. Nun droht ihnen noch der Hungertod“, warnt Sonia Khush weiter. „Die Vorräte werden in den nächsten Wochen zu Ende gehen, wenn weiterhin keine Hilfsgüter durchgelassen werden.3)Save the Children: Drohende humanitäre Katastrophe im Nordwesten Syriens; Artikel vom 27.07.2016 Zusätzlich wurde bereits letzte Woche ein Lagerhaus der Organisation Save the Children bombardiert, in dem sich Lebensmittel für rund 10.000 Familien und Benzin befanden, die nun für die Menschen in Aleppo verloren sind. Aufgrund der Kämpfe bleiben die Schulen der Stadt bis mindestens 12.  August geschlossen.4)Entwicklungspolitik Online: Nordwest-Syrien – An der Schwelle zur humanitären Katastrophe; Artikel vom 26.07.2016 Auch Daraya, das seit bereits vier Jahren belagert wird, ist seit Anfang Juli gezwungen, seine Einwohner durch die unzureichende lokale Landwirtschaft zu versorgen. Da die Versorgungslage daher desolat ist und die Luftangriffe in den letzten Wochen stark anstiegen, mussten ca. 3.500 Familien in Nachbarbezirke fliehen.5)Der Westen: Knapp 400.000 Zivilisten in Syrien von Hilfe abgeschnitten; Artikel vom 27.07.2016 Auch in Idlib nehmen die Kämpfe und Bombardements stark zu. Das letzte funktionierende medizinische Labor der Stadt wurde nun zerstört. Mehr als 100 Angriffe wurden alleine in der vergangenen Woche gemeldet, aufgrund derer nun mehr als 4.000 Familien aus der Region flohen.6)Save the Children: Drohende humanitäre Katastrophe im Nordwesten Syriens; Artikel vom 27.07.2016

Verantwortlich für einen Großteil der Luftschläge sind neben Präsident Baschar al-Assads Luftwaffe vor allem die US-geführte Koalition sowie russische Bomber. 7)Independent: Isis air strikes: Civilian death toll from western bombing ´set to reach 1,000 within days` – Artikel vom 5.3.2016 Die USA und ihre Partner sind dabei vor allem für Angriffe auf Aleppo und Idlib verantwortlich, die dem sogenannten Islamischen Staat galten, aber auch zivile Einrichtungen und Menschenleben trafen.8)Syrian Free Press: War Crimes Alert: U.S. Airforces bombed Aleppo´s hospitals, Washington Liars put the blame on Russia – Artikel vom 11.2.2016 In der gleichen schwer umkämpften Region kreisen auch immer wieder russische Bomber. Deren Angriffe gelten auch von den USA unterstüzten Rebellen und sollen den Machthaber Assad stärken. Sie sind jedoch ebenfalls für hunderte Todesopfer unter der Zivilbevölkerung verantwortlich sein.9)taz.de: Zivile Opfer von Luftangriffen – Von denen keiner spricht – Stand: 5.7.2016

22825416374_dc7a81efed_z

(c) United Nations Photo (CC BY-NC-ND 2.0)Flickr Der UN-Sicherheitsrat beschloss bereits die Versorgung der Zivilbevölkerung gewährleisten zu wollen. Doch bisher bleibt es bei Lippenbekenntnissen. Städte wie Aleppo mit noch immer 300.000 Einwohnern sind nach wie vor für Helfer, Lebensmittel und Medikamente nicht erreichbar.

Jenseits der Kämpfe und Frontlinien wartet vorhandene Hilfe darauf, eingesetzt werden zu können. Doch die Gefahr durch die Kampfhandlungen und Bombardierungen lässt den Helfern kein Durchkommen. Dabei wurde uneingeschränkte Hilfe vom UN-Sicherheitsrat zugesichert. “Wir erinnern alle an dem Genfer Treffen beteiligten Regierungen – insbesondere die der USA und Russlands, die gemeinsam den Vorsitz dieses Treffens der Unterstützergruppe innehaben – an ihre Verantwortung, die unverzügliche Umsetzung der Resolution 2258 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen zu überwachen. Diese ruft zur ungehinderten humanitären Hilfe in ganz Syrien auf”, so Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland-Luxemburg. „Der UN-Sicherheitsrat muss alle Konfliktparteien für Verletzungen des Völkerrechts zur Rechenschaft ziehen, er muss die Verantwortlichkeit für Kriegsverbrechen und andere schwere Verstöße sicherstellen, er muss die vorherrschende Kultur der Straflosigkeit beenden und das gesetzlose Schlachten stoppen.“10)Der Westen: Knapp 400.000 Zivilisten in Syrien von Hilfe abgeschnitten; Artikel vom 27.07.2016 Der erste Schritt wäre ein Waffenstillstand zur Versorgung der Zivilbevölkerung.

Doch die US-geführte Koalition und Russland bombardieren weiter nur die für sie jeweils als „Terroristen“ eingestuften Milizen und Organisationen und überlassen den eskalierten Konflikt und seine Opfer sich selbst. Gerade an einem historischen Tag wie heute, sollte von den Verantwortlichen innegehalten und die Strategie einmal überdacht werden. Die Lösung oder Entschärfung des Konflikts könnte nicht nur fast fünf Millionen Menschen ihre Heimat wiedergeben und somit die sogenannte Flüchtlingskrise entschärfen, sie könnte auch das verlorene Vertrauen einer ganzen Region in Europa, die USA und auch Russland wiederherstellen. Die Genfer Konvention ist von Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein geprägt: zwei Eigenschaften, die die internationale Politik sich wieder zu eigen machen sollte.

Beitrag teilen und unterstützen! (Bisher 29 Mal geteilt)

Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Domenick Baumgarten

Ich studiere Politik und Soziologie an der LMU München. Globale und gesellschaftliche Ungleichheiten sind die Hauptgründe für Kriminalität, Kriege und Flüchtlingsbewegungen. Ich bin Praktikant bei earthlink e.V., um die Menschen weiter über diese Zusammenhänge aufzuklären.

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Ausführlicher Hinweis zum Datenschutz
[contentblock id=datenschutz]

Diesen Hinweis schließen

Jetzt den earthlink-Newsletter abonnieren:



Das Formular
wird geladen -
bitte einen Moment ...
PGlmcmFtZSBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYm9yZGVyPSIwIiBzdHlsZT0iYm9yZGVyOm5vbmU7IiBjbGFzcz0iYXV0b0hlaWdodCIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LmVhcnRobGluay5kZS8/d3BtbG1ldGhvZD1vZmZzaXRlJmlmcmFtZT0xJmxpc3Q9MSIgaGVpZ2h0PSI0MDAiPg0KCTxwPkRhcyBGb3JtdWxhciBsw6RkIC0gYml0dGUgZWluZW4gTW9tZW50IHdhcnRlbiAuLi48L3A+DQo8L2lmcmFtZT4=
Ihre Daten behalten wir für uns!
Unsere Datenschutzerklärung
Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Liebe Leserinnen und Leser:

Verzeihen Sie bitte die Störung. Heute bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Unsere Kampagne "Fluchtgrund" erfährt großen Zuspruch und viel Lob für die umfangreichen und fundierten Informationen, die wir auf dieser Website bieten. Die Informationen werden genutzt von Interessierten, die sich objektiv über die Gründe informieren möchten, die Menschen dazu bringen ihre angestammte Heimat zu verlassen, von Schülerinnen und Schülern um Referate vorzubereiten, aber auch von Journalistinnen und Journalisten auf der Suche nach detaillierten Hintergrundinformationen. Aber nur ein Bruchteil der Nutzer spendet.

Trotzdem ein großer Teil der Arbeit durch Ehrenamtliche erbracht wird, kostet die Kampagne auch Geld. Hier sind wir auf Ihre Spende angewiesen! Wenn alle, die dies lesen, einen kleinen Beitrag leisten, hätten wir in einem Monat das Geld zusammen, das wir für ein Jahr benötigen. Schon der Preis einer Tasse Kaffee würde genügen. Es ist leicht, diese Nachricht nicht zu beachten und die meisten werden das wohl tun.

Wenn Sie diese Website nützlich finden, nehmen Sie sich jetzt bitte eine Minute Zeit und geben Sie mit Ihrer Spende etwas zurück. Herzlichen Dank!

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Sie können uns Ihre Spende online per PayPal zukommen lassen. Wenn Sie noch kein PayPal-Konto haben, können Sie hier auch mit Kreditkarte spenden.

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft!

Ihre Spende können Sie gerne auf unser Spendenkonto überweisen oder einzahlen:

[contentblock id=spendenkonto]

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?