Seiten
Kategorien

Libyen – so gefährlich ist das Transitland für Flüchtlinge

-

Fluechtlinge in Libyen Fluechtlinge in Libyen |  Bild: © Magharebia [CC BY 2.0]  - wikimedia commons

Fluechtlinge in Libyen | Bild: © Magharebia [CC BY 2.0] - wikimedia commons

Libyen – so gefährlich ist das Transitland für Flüchtlinge

Der Frühling kommt, das Wetter wird besser, die See ruhiger. In Libyen warten deshalb etwa 200.000 Menschen darauf, die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer in Richtung Europa anzutreten. 1) welt.de: In Libyen harren sie aus bis der Frühling kommt – Stand 06.04.16   Weil die Staaten der Balkanroute – dazu zählen unter anderem Slowenien, Kroatien, Mazedonien, Serbien sowie Ungarn – ihre Grenzen für Flüchtlinge geschlossen haben, müssen diese nun in dem nordafrikanischen Land mit sehr instabiler Sicherheitslage ausharren, um von dort aus nach Italien überzusetzen, zum Beispiel auf die Inseln Lampedusa oder Sizilien.

Die politische Situation in Libyen ist kompliziert – und gefährlich. Vor knapp fünf Jahren wurde Muammar al-Gaddafi, der Libyen als Revolutionsführer von 1979 bis 2011 diktatorisch führte, samt seiner Regierung gestürzt. Ein Bürgerkrieg brach aus, verschiedene bewaffnete Gruppen kämpften um die Vorherrschaft. Vorausgegangen waren Aufstände, die im Zuge des Arabischen Frühlings im Februar 2011 ausbrachen. In Bengasi war ein Menschenrechtsaktivist festgenommen worden – dies entfachte die Rebellion. 2) spiegel.de: Chronologie des Kriegs: Wie sich Libyen von Gaddafi befreite – Stand 06.04.16   Das Gaddafi-Regime ging gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Die Proteste weiteten sich nichtsdestotrotz im Land aus. Das Regime setzte Kampfjets gegen die Aufständischen ein. 3) welt.de: Chronik des Arabischen Frühlings in Libyen – nicht mehr verfügbar   Im UN-Sicherheitsrat wurde daraufhin Mitte März die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen beschlossen, wobei sich Deutschland der Stimme enthielt. 4) spiegel.de: Chronologie des Kriegs: Wie sich Libyen von Gaddafi befreite – Stand 06.04.16

Mit der UN-Resolution 1973 wurde am 17. März 2011 ein Militäreinsatz in Libyen legitimiert. Die USA, Frankreich sowie Großbritannien begannen am 19. März, Luftangriffe auf regierungstreue Gruppen zu fliegen. Am 31. März 2011 übernahm die NATO das Kommando über den Einsatz. Der Name der Operation lautete Unified Protector. 5) wikipedia.org: Militäreinsatz in Libyen 2011 – Stand 06.04.16   Faktisch wurde damit das Ziel verfolgt, die Rebellen in Libyen zu unterstützen. Viele Städte des Landes wurden heftig umkämpft. Deshalb flohen Tausende Menschen aus den Kampfgebieten, zum Beispiel an die Grenzen zu Ägypten und Tunesien. Am 20.Oktober 2011 wurde bekannt, dass al-Gaddafi getötet wurde. Am 31. Oktober endete der NATO-Militäreinsatz.

Die Zustände in Libyen sind seither chaotisch, eine stabile Regierung konnte nicht gebildet werden. Stattdessen gibt es seit 2014 zwei rivalisierende Regierungen mit jeweils eigenen Parlamenten, die Ansprüche auf die Herrschaft stellen: In Tobruk sitzt das international anerkannte Repräsentantenhaus, hervorgegangen aus den Parlamentswahlen, die im Juni 2014 abgehalten wurden. In der Hauptstadt Tripolis dagegen formierte sich ein Gegenparlament unter Khalifa al-Ghwell, das islamistisch orientiert ist. 6) spiegel.de: Libyen: Viel Öl, zwei Regierungen – und der IS breitet sich aus – Stand: 06.04.16   Durch das so entstandene Machtvakuum konnte sich auch der Islamische Staat in Libyen festsetzen, zum Beispiel in der Stadt Sirte. Die andauernden Kämpfe zwischen den verschiedenen Gruppen zwangen sehr viele Menschen zur Flucht: Etwa zwei Millionen Libyer haben das Land verlassen, ungefähr eine Million von ihnen flohen nach Tunesien. 7) brookings.edu: The impact of Libyan middle-class refugees in Tunisia – Stand 06.04.16   Laut dem UNHCR gibt es etwa 400.000 lybische Binnenflüchtlinge. 8) unhcr.org: 2015 UNHCR subregional operations profile – North Africa – Stand 06.04.16   Ende 2015 unterzeichneten die beiden Regierungen nach langem Ringen schließlich ein von der UNO vermitteltes Abkommen zur Bildung einer Einheitsregierung. Die Umsetzung dessen gestaltet sich jedoch schwierig: Die Arbeit des international anerkannten Übergangspräsidenten Fayez al-Serraj wird insbesondere von der Regierung in Tripolis stark behindert. 9) sueddeutsche.de: Libyen droht zwischen zwei rivalisierenden Regierungen zu zerfallen – Stand 06.04.16   Für die Flüchtlinge bedeutet die politisch instabile Situation: Der Aufenthalt in Libyen birgt große Gefahren. Amnesty International berichtet von Entführungen, Folter und sexueller Gewalt gegenüber Flüchtlingen. 10) amnesty.org: `Libya is full of cruelty`: Stories of abduction,sexual ciolence and abuse from migrants and refugees – Stand: 06.04.16

Nutzen aus dieser Lage ziehen vor allem die Schlepper: Sie können an der kaum kontrollierten Küste Libyens überfüllte Boote über das Mittelmeer Richtung Europa schicken. Noch sind es vor allem Flüchtlinge aus Westafrika, die darauf warten. Doch Berichten zufolge versuchen nun immer mehr Menschen aus dem Irak, Syrien und Afghanistan, Libyen zu erreichen. 11) sueddeutsche.de: Neues Geschäft für Schlepper – Stand 06.04.16   Sie werden gezwungen, für ein Leben in Sicherheit immer gefährlichere Wege auf sich zu nehmen – weil Europa sich abschottet.

Beitrag teilen und unterstützen! (Bisher 0 Mal geteilt)

Fußnoten und Quellen:   [ + ]

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Weitere interessante Infos:
Wasserverschmutzung führt zu Krankheit,Armut,Hunger Wasserverschmutzung führt zu Krankheit,Armut,Hunger | Bild (Ausschnitt): © Skypixel - Dreamstime.com

Afrika: Ein Kontinent der unbegrenzten Möglichkeiten für ausländische Unternehmen

Der schwarze Kontinent gerät seit einigen Jahren immer mehr in den Fokus wirtschaftlicher Interessensvertreter. "So viel Land und so wenig genutzt", lautet die Begründung für das gesteigerte Interesse. Jedoch ist es – so wie in ...
Fluechtlinge versuchen, eine Grenze aus Stacheldraht zu überwinden. Fluechtlinge versuchen, eine Grenze aus Stacheldraht zu überwinden. | Bild (Ausschnitt): © Prazis - Dreamstime.com

Marokko als der neue Hilfssheriff Europas – langfristige Verschärfung von Fluchtursachen

Abgesehen von den oft katastrophalen Umständen, denen Flüchtlinge und Migranten in Marokko ausgesetzt sind, ist auch die Einstufung von Marokko als sicheres Herkunftsland in Bezug auf die lokale Bevölkerung bedenklich: Politische Aktivisten und Journalisten befinden ...
 Ein Flüchtlinglager in Somalia | Bild (Ausschnitt): © Sadikgulec - Dreamstime.com

Internationaler Tag der Migranten

Von Hungersnöten getrieben, von Kriegsherden vertrieben, oder einfach nur aus schierer Arbeits-und Perspektivlosigkeit: Millionen von Menschen sind auf der Flucht. Um einem menschenunwürdigen Leben in ihrem Land zu entgehen, entschließen sie sich, ihre Heimat zu ...
 | Bild (Ausschnitt): © Oxfam East Africa [CC BY 2.0] - Wikimedia commons

Kann die EU-Flüchtlingspolitik wahre Fluchtursachen bekämpfen?

Am 11. und 12. November fand ein Gipfeltreffen zu Migrationsfragen zwischen den EU-Staats- und Regierungschefs sowie Vertretern von 35 afrikanischen Staaten in Valletta (Malta) statt. Die Konferenz knüpfte an die...
 | Bild (Ausschnitt): © Hikrcn - Dreamstime

EU-Flüchtlingspolitik: Enge Kooperation mit Diktatoren

Allgemein bekannt ist zur Flüchtlingspolitik der Europäischen Union lediglich, dass man die Fluchtursachen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge bekämpfen oder zumindest verringern möchte.
Ausführlicher Hinweis zum Datenschutz
[contentblock id=datenschutz]

Diesen Hinweis schließen

Jetzt den earthlink-Newsletter abonnieren:



Das Formular
wird geladen -
bitte einen Moment ...
PGlmcmFtZSBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYm9yZGVyPSIwIiBzdHlsZT0iYm9yZGVyOm5vbmU7IiBjbGFzcz0iYXV0b0hlaWdodCIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LmVhcnRobGluay5kZS8/d3BtbG1ldGhvZD1vZmZzaXRlJmlmcmFtZT0xJmxpc3Q9MSIgaGVpZ2h0PSI0MDAiPg0KCTxwPkRhcyBGb3JtdWxhciBsw6RkIC0gYml0dGUgZWluZW4gTW9tZW50IHdhcnRlbiAuLi48L3A+DQo8L2lmcmFtZT4=
Ihre Daten behalten wir für uns!
Unsere Datenschutzerklärung
Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Liebe Leserinnen und Leser:

Verzeihen Sie bitte die Störung. Heute bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Unsere Kampagne "Fluchtgrund" erfährt großen Zuspruch und viel Lob für die umfangreichen und fundierten Informationen, die wir auf dieser Website bieten. Die Informationen werden genutzt von Interessierten, die sich objektiv über die Gründe informieren möchten, die Menschen dazu bringen ihre angestammte Heimat zu verlassen, von Schülerinnen und Schülern um Referate vorzubereiten, aber auch von Journalistinnen und Journalisten auf der Suche nach detaillierten Hintergrundinformationen. Aber nur ein Bruchteil der Nutzer spendet.

Trotzdem ein großer Teil der Arbeit durch Ehrenamtliche erbracht wird, kostet die Kampagne auch Geld. Hier sind wir auf Ihre Spende angewiesen! Wenn alle, die dies lesen, einen kleinen Beitrag leisten, hätten wir in einem Monat das Geld zusammen, das wir für ein Jahr benötigen. Schon der Preis einer Tasse Kaffee würde genügen. Es ist leicht, diese Nachricht nicht zu beachten und die meisten werden das wohl tun.

Wenn Sie diese Website nützlich finden, nehmen Sie sich jetzt bitte eine Minute Zeit und geben Sie mit Ihrer Spende etwas zurück. Herzlichen Dank!

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Sie können uns Ihre Spende online per PayPal zukommen lassen. Wenn Sie noch kein PayPal-Konto haben, können Sie hier auch mit Kreditkarte spenden.

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?

Auf welchem Weg möchten Sie uns unterstützen?

Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft!

Ihre Spende können Sie gerne auf unser Spendenkonto überweisen oder einzahlen:

[contentblock id=spendenkonto]

SPENDENKONTO: earthlink e.V., IBAN: DE66 7002 0500 0008 8885 00, BIC: BFSWDE33MUE - Was passiert mit meiner Spende?