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Burkina Faso: Milchbauern werden von europäischen Dumpingpreisen ruiniert

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Watussi-Rind Watussi-Rind |  Bild: © Baird's Tapir [CC BY-SA 3.0]  - WikimediaCommons

Watussi-Rind | Bild: © Baird's Tapir [CC BY-SA 3.0] - WikimediaCommons

Burkina Faso: Milchbauern werden von europäischen Dumpingpreisen ruiniert

Die Peul machen in dem westafrikanischen Land rund zehn Prozent der Bevölkerung aus. Ihr Einkommen besteht großenteils aus dem Verkauf von Milch. Viele Nomaden der Peul in Burkina Faso kämpfen um das nackte Überleben, da sie nicht mit den subventionierten Billigimporten der Europäischen Union konkurrieren können. Menschen, denen ihre Lebensgrundlage entzogen wurde, entschließen sich zur Flucht aus ihrem Heimatland.

Die Peul, auch bekannt unter dem Namen Fulbe, Fullah oder Fulani, sind ein ursprünglich nomadisches, west- und zentralafrikanisches Hirtenvolk. Heute leben sie zum einen Teil als Nomaden, zum anderen Teil leben sie in den Städten. Nach der traditionellen Religion der Peul schuf der Gott Geno die Welt aus einem einzigen Tropfen Milch. Anschließend erschuf er die Kuh, den Mann und die Frau. Ihrer Kultur nach, sind Rinder das Wertvollste in ihrem Leben. 1) Zentralafrika.de: Fulbe – Stand 17.03.2016 2) Freihandel macht hungrig: Armin Paasch aus: Cola, Reis & Heuschrecken, Welternährung im 21. Jahrhundert. Edition Le Monde diplomatique.

Laut einer von Miserior herausgegebenen Studie im Jahr 2005 wurde importiertes Milchpulver aus der EU zu 30 Cent pro Liter auf dem Markt in Burkina Faso angeboten. Dieser Preis lag um 18 Cent unterhalb der durchschnittlichen Produktionskosten von deutschen Milchbauern. Die lokalen durchschnittlichen Produktionskosten in Burkina Faso wurden um sieben bis zehn Cent unterboten. Der Effekt dieser billigen Preise war, dass Molkereien, die Jogurt herstellen, fast nur EU-Milchpulver verwendeten. Heimisches Milchpulver fand kaum den Weg in die Regale der Läden. Viele Angehörige der Peul konnten ihren Lebensunterhalt nicht sichern. 3) Freihandel macht hungrig: Armin Paasch aus: Cola, Reis & Heuschrecken, Welternährung im 21. Jahrhundert. Edition Le Monde diplomatique.

Afrikanische Staaten sind stark anfällig für Weltmarktpreise und Billigimporte. Als in den Jahren 2007 und 2008 die Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt stark anstiegen, hatte dies katastrophale Folgen. Viele Verbraucher in Burkina Faso konnten sich ihr tägliches Essen nicht mehr leisten. Hungerproteste waren die Folge. Die Armutsgrenze im Land lag zuvor bei 40 Prozent und nahm im Februar 2008 stark zu. Zugleich bot sich mit den verteuerten Importen eine Chance für die Milchbauern. Durch geschickte Investitionen gelang es Kleinstmolkereien, mehr Milch zu produzieren und einen nennenswerten Absatz auf dem heimischen Markt zu erreichen. Da sich der Preis für importiertes Milchpulver aus der EU zwischen 2004 und 2008 verdoppelte, konnten im selben Zeitraum die Absätze der lokalen Milchproduktion verdoppelt werden. 4) Freihandel macht hungrig: Armin Paasch aus: Cola, Reis & Heuschrecken, Welternährung im 21. Jahrhundert. Edition Le Monde diplomatique.

Ob solche Absätze jemals wieder erzielt werden können, entscheidet die Politik. Die EU verlangt von der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) ständige Zusatzverträge im Rahmen der Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) zu unterzeichnen. Gefordert wird unter anderem, dass afrikanische Staaten 80 Prozent ihrer Zölle auf Importe streichen. Zusätzlich werden europäische Exporte von der EU subventioniert. Somit ist importierte Ware auf dem afrikanischen Markt extrem billig und verdrängt die heimischen Erzeugnisse. Die EU droht, wenn keine weiteren regionalen Partnerschaftsabkommen unterzeichnet würden, werde man die Exporte aus westafrikanischen Ländern mit Zöllen belegen. Die EPAs und die überzogenen Forderungen der EU stoßen auf starken zivilgesellschaftlichen Widerstand und Uneinigkeit innerhalb afrikanischer Staaten. 5) Le monde diplomatique: Dossiers / Freihandel – Stand 25.08.2016 6) Freihandel macht hungrig: Armin Paasch aus: Cola, Reis & Heuschrecken, Welternährung im 21. Jahrhundert. Edition Le Monde diplomatique.

In Ghana, einem Nachbarstaat Burkina Fasos, entfalten die EPAs derzeit ihre fatale Wirkung. Jahrelange Billigimporte von Geflügelresten aus der EU haben inzwischen alle heimischen Geflügel-Kleinbauern in den Ruin getrieben. Mehr Infos dazu: Die EU-Wirtschaftspolitik treibt afrikanische Bauern in die Flucht

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