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Die moderne Form der Sklaverei

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Tomaten im Gewächshaus Tomaten im Gewächshaus |  Bild: © Lufa Farms [CC BY-SA 2.0]  - Wikimedia Commons

Tomaten im Gewächshaus | Bild: © Lufa Farms [CC BY-SA 2.0] - Wikimedia Commons

Die moderne Form der Sklaverei

Zehntausende Menschen arbeiten in der Landwirtschaft Europas unter sklavenähnlichen Bedingungen – Bedingungen, die wir uns unter europäischen Arbeitsstandards kaum vorstellen könnten. Zahlreiche Saisonarbeiter stammen aus osteuropäischen Ländern wie Rumänien und zunehmend auch aus Syrien, dem Sudan und Nigeria. 1) Die Zeit: Europas neue Sklaven – Stand 17.02.2016   Flüchtlinge befinden sich dabei in einer besonders verwundbaren Lage, weil sie sich oft illegal in den Ländern aufhalten. Damit dürfen sie keinen Anspruch auf Arbeitsrechte erheben oder wissen nichts von den rechtlichen Rahmenbedingungen. Außerdem ist ihnen sowohl die Sprache als auch die Kultur der Länder fremd. Sie sind ihren Arbeitgebern schutzlos ausgeliefert. 2) Der Tagesspiegel: Sklavenarbeit in Italiens Plantagen – Stand 17.02.2016

Die Arbeits-und Wohnbedingungen für Wanderarbeiter sind meist menschenunwürdig: Sie hausen ohne Wasser, Strom und Sanitäranlagen, schlafen im Freien oder in improvisierten Zelten – das alles, um überleben zu können. Der Lohn ist gering und wird auch nicht zuverlässig gezahlt. Sie arbeiten zwölf Stunden am Tag, 6 oder sogar 7 Tage die Woche, oft in sengender Hitze. So kommen wir zu unseren billigen Tomaten, Erdbeeren, Oliven, Wein und anderen Nahrungs- oder Genussmitteln. 3) Die Zeit: Europas neue Sklaven – Stand 17.02.2016

Für viele Flüchtlinge ist diese Arbeit eine Notlösung. Sie wollen und müssen arbeiten, um sich irgendwie über Wasser zu halten. Viele träumen von einem besseren Leben danach. Aus Angst, aufzufliegen und abgeschoben zu werden, können sie nicht über Arbeitsbedingungen verhandeln oder Ansprüche erheben. 4) Frankfurter Rundschau: Schuften wie Sklaven – Stand 17.02.2016

Wanderarbeiter werden auch im Baugewerbe, in Schlachthöfen und Textilfabriken, bei Paketdiensten und als Reinigungskräfte eingesetzt-in Spanien, der Türkei, Großbritannien und auch Deutschland. Auch dort werden sie von ihren Arbeitgebern enorm ausgebeutet. Vielen Arbeitern bleibt gar keine Wahl, als weiterzumachen – für eine Heim- oder Weiterreise reicht der Lohn nicht. 5) Frankfurter Allgemeine Zeitung: Unsere neuen Hungerlöhner – Stand 17.02.2016   Die Arbeiter zahlen mit ihrer Gesundheit und ihrer Würde.

Steigende Flüchtlingszahlen vergrößern auch die Anzahl an Anwärtern auf die billigen Arbeitsplätze – ein schlechter Job ist besser als gar keiner. 6) The Guardian: Abuse of migrant workers is now a top risk for businesses – Stand 17.02.2016 Für Arbeitgeber bedeutet das, dass Löhne und Arbeitsbedingungen noch mehr gedrückt werden können. Selbst wenn ein Arbeiter aufbegehrt, gibt es zahlreichen Nachschub – die Arbeitnehmer haben keinerlei Chance auf Verhandlungen. Somit wird der Gewinn für Arbeitgeber, Zwischenhändler und Großkonzerne maximiert und das Preisniveau bleibt für den EU-Konsumenten angenehm niedrig. Dadurch werden Dumping-Preise zu einem strukturellen Problem – ohne diese billigen Arbeitskräfte funktioniert gerade im Niedriglohnsektor die Wirtschaft nicht mehr. Kaum jemand macht sich mehr Gedanken um die enorm billigen Preise, es ist zur Selbstverständlichkeit geworden, 500 Gramm Tomaten für 80 Cent zu kaufen. Um unseren Wohlstand und hohen Lebensstandard zu erhalten, profitieren wir also tagtäglich von der Ausbeutung anderer Menschen. 7) Frankfurter Rundschau: Schuften wie Sklaven – Stand 17.02.2016

Auch minderjährige Flüchtlinge befinden sich hier in einer enormen Gefahrensituation. Beispielsweise werden viele unbegleitete Flüchtlingskinder, die nach der Ankunft in Italien orientierungslos sind, von mafiösen Strukturen aufgegriffen und zur Zwangsarbeit auf Plantagen gezwungen. 8) The Guardian: Thousands of African child migrants feared in thrall to Italian traffickers – Stand 17.02.2016   In Apulien – einem Hauptstandpunkt der europäischen Tomatenproduktion – existieren Siedlungen, in denen die Erntehelfer, beispielsweise aus Ghana, leben. Viele von ihnen sind ehemalige Kleinbauern, die aufgrund der fehlenden Konkurrenzfähigkeit von ihren Erzeugnissen mit EU-subventionierten Produkten ihre Lebensgrundlage verloren haben. 9) Die Zeit: Ein Mann pflückt gegen Europa – Stand 17.02.2016

Seitens der Politik wären legale Einwanderungswege oder allgemein geltende Richtlinien für alle Arbeitnehmer, wie beispielsweise die Ratifizierung der Wanderarbeiterkonvention, eine Möglichkeit, den Arbeitern eine Stimme zu geben und ihre Rechte einzufordern. Wir als Konsumenten haben die Möglichkeit, unser Konsumverhalten zu hinterfragen und zu ändern. Denn: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. 10) Amnesty International: Alle 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte – Stand 17.02.2016

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Hallo da draußen, im Jahr 2015/16 begleit ich earthlink als Bundesfreiwillige. Neben Recherchearbeiten und dem Schreiben von Artikeln gehört auch das Blumengießen zu meinen speziellen Befähigungen. Auf euch als Interessenten, Sympathisanten und Diskutanten von earthlink frei i mi!

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